Durcheinander. Sprachlos. Traurig. – Danke, Jürgen Klopp!

Das ist ein Traum. Das muss ein Traum sein. Ein ganz schlechter Traum. Meine Gedanken heute Vormittag, als es immer wahrscheinlicher wurde, dass nicht die BILD einfach ein weiteres Gerücht in die Welt gesetzt hatte, sondern dass Jürgen Klopp tatsächlich als Trainer von Borussia Dortmund zurücktreten will.  – Nein, es war kein Traum. Leider.

Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagt er, und wenn man ihn bei der Pressekonferenz ansieht, ihn und Aki Watzke und Michael Zorc, dann sieht man das auch. „Dieser Verein hat es verdient, vom absolut einhundert Prozent richtigen Trainer in diesem Moment trainiert zu werden“, sagte Klopp. Er habe das Gefühl, dass es jetzt nicht mehr passe. Er sprach auch davon, dass der Name Klopp groß war und wie die Mannschaft, bei allem, was sie getan und geleistet hat, immer an ihrer „fantastischen“ Vergangenheit, an den Erfolgen der letzten Jahre unter ihm als Trainer gemessen wurde und nur mit einem neuen Trainer die Möglichkeit besteht, das ein Stück weit hinter sich zu lassen, nicht mehr davon blockiert zu werden.

Alle Gründe, die Jürgen Klopp da aufgezählt hat, kann ich nachvollziehen. Auch wenn ich immer noch der Meinung bin, dass es auch mit ihm sportlich gut, positiv hätte weitergehen können – wenn er anderer Meinung ist, dann respektiere ich das. Und ich verstehe, was er sagt, verstehe seine Beweggründe.

Traurig macht mich das alles dennoch. Ich hätte nie, nie gedacht, dass mich eine Situation wie heute so mitnehmen würde. „Ist doch nur Fußball, Mensch…“, höre ich da eine Stimme in meinem Kopf. Und eine andere, die sagt, „es war doch abzusehen. Und es ist die richtige Entscheidung“. Vielleicht. Und vielleicht ist das auch alles furchtbar kitschig und pathetisch, was ich hier schreibe, was schon geschrieben und gesagt worden ist heute. Aber das ist nicht irgendein Verein und nicht irgendein Trainer. ‚Echte Liebe‘ kommt nicht von ungefähr. Und ich hatte mich heimlich schon fast ein bisschen drauf gefreut, im Sommer quasi neu zu starten, Aufbruchsstimmung, Vollgasfußball und die Wende, den Neuanfang schaffen – das zu erleben, was „ältere“ Fans am Anfang von Klopps Zeit als BVB-Trainer schon einmal erfahren haben.

Klopp_6

„Man kann sich gar nicht vorstellen, wie unglaublich schwer das ist, wenn etwas so großartig ist wie das hier, und man feststellt, dass man sich einfach nicht mehr sicher ist, dass es richtig ist. Wenn man weiß, dass damit etwas zu Ende geht, wo man sich eigentlich als Mensch gewünscht hätte, dass es das nicht tun muss.“ Das hat Jürgen Klopp auf der Pressekonferenz auch gesagt.
Und als ich kurz in den Live-Podcast von Auffe Ohren reingehört habe eben, fiel da der Satz von Volker: „Im Grunde möchte den neuen Trainer niemand haben“. Genauso ist es. Und da mögen rational betrachtet die Gründe und Argumente noch so gut sein – eigentlich will ich noch immer, dass das alles nicht wahr ist.

Klopp ist so sehr BVB und der BVB so sehr Klopp, dass ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, wie das jemals anders sein soll. Dazu kommt, dass ich den BVB quasi nur mit Klopp als Trainer kenne – als der 2008 zum BVB gekommen ist, hat mich Fußball noch so gar nicht interessiert. Mein Fansein begann erst danach – und ist sicherlich zu einem gewissen Teil auch Klopp zuzuschreiben.

Sicher ist: Es wird, auch für mich, bald einen BVB ohne Klopp geben. Gott sei Dank beginnt diese Zeit aber erst am Ende der Saison (ja, ich hatte zwischenzeitlich den Horrorgedanken des sofortigen Trainerwechsels). Und deswegen wünsche ich mir jetzt umso mehr ein ganz tolles Saisonende – mit mitreißenden Spielen, mit erfolgreichen Spielen, bei dem wir alles mitnehmen, was noch geht, und mit dem DFB-Pokalfinale. „Einen letzten Traum hab ich noch: Noch einmal mit gutem Grund auf nem Lastwagen um den Borsigplatz zu fahren. Das wär‘ ziemlich lässig.“

Ich hab jetzt neben der Traurigkeit auch ziemlich große Lust auf die nächsten Spiele, weil ich einfach darauf hoffe, dass die Mannschaft noch einmal alles raushaut. Dass der BVB noch einmal große Spiele und große Emotionen bietet – das kann einfach kein anderer Verein so gut – und dass Klopps Traum wahr wird. Dass er einen angemessenen, würdigen Abschied bekommt – egal, wie viele Tränen dann fließen werden – „out with a bang“ sozusagen. Und es bleibt, ein riesengroßes Dankeschön zu sagen an Jürgen Klopp – der nicht nur unglaublich sympathisch und bodenständig daherkommt, sondern der auch eine ebensolche Mannschaft geformt hat, der immer wirkte, als hätte er selbst am meisten Spaß an seiner Arbeit und sei der größte Fan des BVB, der begeisternden und erfolgreichen Fußball nach Dortmund gebracht hat, der verantwortlich war für große Momente und große Emotionen, wie es sie vielleicht nur im Fußball (oder nur beim BVB?) gibt. Danke, Jürgen Klopp.

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Die Damen und Herren von Schwatzgelb haben übrigens was Ähnliches geschrieben. Nur noch ein bisschen schöner ;-)

Und für wenigstens ein kleines Schmunzeln an diesem „traurigen Tag für alle BVB-Fans“ (Sascha Fligge): Der Live-Ticker eines englischen Reporters des Telegraph, der ohne ein Wort Deutsch zu verstehen heute in der BVB-Pressekonferenz saß. „I’m rapidly realising that I am as close to useless right now as I have ever been in my life.“

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