Mein Verein.

Dieser Artikel ist schon etwas älter, vor über einem Jahr wurde er ursprünglich auf meinem anderen Blog veröffentlicht. Aber er passt gerade irgendwie gut und deswegen poste ich ihn in leicht überarbeiteter Fassung hier nun noch einmal. Die gestrige Sonder-Sendung von Auffe Ohren zum Rücktritt Jürgen Klopps hat mich noch einmal zum Nachdenken gebracht, wann und wie ich eigentlich BVB-Fan geworden bin.

Eigentlich schon immer habe ich mit dem BVB sympathisiert. So, wie ich die Bayern schon immer abgelehnt habe – vielleicht auch, weil die drei Brüder, mehr oder weniger stark ausgeprägt, alle (mal) Bayern-Fans sind (waren). Aber Sympathien habe ich auch für Werder, in gewissem Maße auch für Köln und, auch wenn man das wohl eigentlich nicht sagen darf, mittlerweile auch für Gladbach. Ich habe registriert, wie der BVB 2010/2011 überraschend Deutscher Meister geworden ist. Ich habe auch registriert, wie sie das in der darauffolgenden Saison wiederholt und mit dem Gewinn des DFB-Pokal noch einen draufgelegt haben. Irgendwann in der Saison muss es gewesen sein, dass die Sympathien in wirkliches Interesse umgeschlagen ist, größeres Interesse als an Werder oder Köln. Einen der Jubelkorsos in Dortmund habe ich zum Teil im Fernsehen verfolgt, daran kann ich mich noch ganz dunkel erinnern. Ein „Eventie“ (ist das nicht ein viel netterer Name als Erfolgsfan? „Geklaut“ von den Jungs von Auffe Ohren) bin ich trotzdem nicht – ja, ich bin mit dem Erfolg zum BVB gekommen, aber nicht des Erfolgs wegen, sondern weil der Verein sich durch den Erfolg schlicht in den Vordergrund gespielt, mehr Raum eingenommen hat.

Und Fan geworden? Der BVB ist “mein Verein”, seit ich Zeit für ihn habe. Seit ich zum Studium ausgezogen bin, alleine in Trier wohne, mir meine Zeit völlig frei einteilen kann, habe ich deutlich mehr BVB-Spiele am Fernseher oder vor dem Laptop verfolgt, und beobachte die Entwicklung des Vereins auch über die anderen, die sozialen Medien, insbesondere natürlich Facebook und Twitter.

Ich bin Dortmund-Fan also etwa seit der Saison 2012/2013. Ich habe keine Fanartikel zuhause, ich war noch nie im Stadion – auch wenn der Wunsch nach letzterem immer stärker wird. Warum bezeichne ich mich also als Fan? Was mich am BVB fasziniert, neben dem über lange Zeiten (diese Saison mal ausgenommen) sehr attraktiven, Spaß machenden Fußball; was mich anspricht, sind die Emotionen, das Gefühl. Zusammenhalt. Der Werbespruch “Echte Liebe” – ja, er ist ein Werbespruch, er prägt die “Marke BVB”, aber es gibt wohl keinen anderen Verein, auf den er besser passen würde als auf Borussia Dortmund. Und in unserer digitalen Zeit, da reicht ein Internet-Anschluss, reicht ein Facebook- oder Twitter-Account, um schon ganz viel von dieser Stimmung zu schnuppern.

Eine ganz, ganz große Rolle spielt sicherlich auch Jürgen Klopp. Bodenständig, ehrlich wie kaum ein zweiter Trainer, menschlich, herzlich – der passt zum BVB wie die Faust auf’s Auge. Oder Arsch auf Eimer. Das Bild der 11 Freunde, die zusammen Fußball spielen, ist wohl veraltet – wenn es überhaupt je zutreffend war – trotzdem habe ich beim BVB den Eindruck, dass das nicht nur 11 (bzw. noch viel mehr) Einzelkämpfer sind, sondern dass sie ein Team sind, eine Mannschaft und ja, auch Freunde. Und wenn man sieht, wie sich neue Spieler einfügen, wie sie diese Dortmunder Mentalität aufnehmen, verinnerlichen, wenn man einen Spieler, einen Menschen sieht wie Kevin Großkreutz – mag man von ihm denken, was er will, der Mann IST BVB – für mich ist dieser Verein einfach nur Liebe. Rundum – von Hans-Joachim Watzke bis Milos Jojic.

Ich verpasse kaum ein Spiel mehr, versuche möglichst viel aufzusaugen. Málaga, einen der Höhepunkte der letzten Jahre, habe ich live vor dem Bildschirm miterlebt, ebenso das 4:1 gegen Madrid. Immerhin einige besondere Momente, die ich als Fan mitbekommen habe. Ein bisschen neidisch bin ich da schon auf diejenigen, die schon länger „dabei“ sind, die den Beginn von Klopp, den Neustart und Umbruch mitbekommen haben – der vielleicht umso überraschender und schöner war, weil/wenn man die schwere Zeit davor auch schon mitgemacht hat. Der „Fluch“ der späten Geburt ;-) Deswegen hatte ich heimlich schon fast ein bisschen darauf gehofft, im Sommer quasi neu zu starten, Aufbruchsstimmung, Vollgasfußball und die Wende, den Neuanfang schaffen – das zu erleben, was “ältere” Fans am Anfang von Klopps Zeit als BVB-Trainer schon einmal erfahren haben. Jetzt hoffe ich, das mit einem anderen, neuen Trainer erleben zu können – der Jürgen Klopp nie zu hundert Prozent wird ersetzen können, aber es wär‘ schon schön, wenn ich ihn nur halb so sympathisch finden könnte wie Klopp.

Mein Verein. Den ich mir aktuell noch so gar nicht ohne Klopp vorstellen kann. Und auch diesen Spruch, „der Verein ist größer als wir alle“, so ganz nachvollziehen kann ich den (noch) nicht. Weil für mich der BVB untrennbar mit bestimmten Personen verbunden ist. Klopp. Watzke. Zorc. Den Spielern. Aber vielleicht ist das auch nur eine Frage der Zeit. Die Frage, wie viele Spieler, wie viele Trainer man schon hat kommen und gehen sehen.

Für mich ist dieser Trainerwechsel der erste. Vielleicht auch deswegen der schwerste. Ein bisschen fühlt es sich an wie Liebeskummer – bescheuert, oder? Aber irgendwie auch passend. Echte Liebe – es ist ein Werbespruch und ja, vielleicht ist er ein wenig kitschig. Aber ich wüsste nicht, was den BVB treffender beschreiben könnte.

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