Der Wahnsinn. Ein Halbfinale wie ein Endspiel.

Was war das für ein Spiel gestern Abend. Ich bin zwischendrin tausend Tode gestorben – nur, um dann am Ende noch erleichterter und so viel glücklicher und euphorischer zu sein, als ich je gedacht hätte. (Ist doch bloß Fußball, ist doch nur ein Spiel.) Ich habe noch wegen/während eines Fußballspiels geheult – das gestern war also mein erstes Mal. Immerhin auch erst beim Elfmeterschießen.

Jetzt kann man natürlich hergehen und dieses Spiel total zerpflücken. Die schlechte Leistung kritisieren oder die „Schuld“ für den Sieg (aus Sicht der Bayern-Fans für die Niederlage) dem Schiri zuschieben. Sicherlich gab es gestern Situationen, über die man stundenlang diskutieren könnte. Das Handspiel von Schmelle. Das Handspiel von Benatia. Die Situation zwischen Langerak und Lewandowski. Die gelb-rote Karte für Kampl, aber nicht für Alonso. Sollen wir das wirklich alles gegeneinander aufrechnen, vllt auch noch Fehlentscheidungen aus vergangenen Partien zwischen diesen beiden Mannschaften (*hust* Pokalfinale 2014 *hust*) mit dazunehmen?

Ganz ehrlich: Nein. Weil es unnötig ist und weil es sowieso nichts ändert. Genauso, wie ich wenig geneigt bin, über die (spielerische) Leistung, die die Jungs gestern abgeliefert haben, zu diskutieren. Natürlich war das über weite Strecken und im Grunde bis zum Ausgleich schwach vom BVB und ganz bestimmt nicht das, was ich unter „auf Krawall gebürstet“ verstehe. Aber immerhin haben sie es geschafft, dass es nur 1:0 stand und somit eben genau eine solche winzig-kleine Gelegenheit ausreichte, um das Spiel zu drehen, wie die in der 75. Minute. Dass es ausgerechnet Miki war, der die Vorlage gab, tja, das ist dann eine wunderschöne Facette in der ganz besonderen Geschichte dieses Spiels. Dessen Einwechslung war das beste, was Klopp gestern tun konnte – und prägte den weiteren Verlauf des Spiels genau so wie die Auswechslung von Thiago oder die Ein- und kurz darauf wieder Auswechslung von Robben auf Seiten der Bayern.

Wenn am Ende alles gut ist, dann ist der Mensch nun einmal großmütiger gestimmt. Im Falle einer Niederlage würden wir jetzt diskutieren, war Kagawas Fehlpass die spielentscheidende Situation, warum hat Hummels das Abseits aufgehoben und wie doof musste Kampl sein, sich innerhalb weniger Minuten zwei gelbe Karten abzuholen? Aber so ist das alles sowas von egal. Finale, wir kommen – wie genau wir dahingekommen sind, interessiert mich schon jetzt nur noch wenig und am 30. Mai vermutlich überhaupt nicht mehr.

Gänsehaut und Tränen, spätestens ab der zweiten Hälfte der Verlängerung war zumindest ich ziemlich fertig mit den Nerven. Und was dann beim Elfmeterschießen passierte, wird vermutlich in die Geschichtsbücher eingehen – ich konnte mich kaum freuen, weder über die verschossenen Elfmeter der Bayern, noch den gehaltenen Elfer von Mitch (ausgerechnet den von Götze!), noch die verwandelten BVB-Elfmeter, weil es mir so verdammt unwirklich schien. Kann das überhaupt sein? Die Bayern treffen nicht einmal das Tor und wir ziehen in’s Pokalfinale ein? Jeden Ball hab ich zunächst erst einmal im Tor gesehen und es hat immer jeweils einen Moment gebraucht, bis ich realisiert habe, dass der BVB führt bzw. dann am Ende tatsächlich gewonnen hat.

Langerak_5_28.04.15_Pokal München

Dieses Halbfinale fühlte sich eigentlich schon mehr an wie ein Endspiel. Und wenn ich auch zwischenzeitlich sehr desillusioniert war ob der spielerischen Leistung und maximal angespannt, war da trotzdem die ganze Zeit die Hoffnung und der Glaube daran, dass da noch was gehen könnte. Ich bin noch nicht furchtbar lange BVB-Fan, ich habe noch nicht viele solcher absolut besonderen Spiele miterlebt. Málaga, Madrid, München. Aber mir ist klar:

Das ist der BVB und genau das zeichnet ihn aus: Nie aufgeben, immer laufen, immer kämpfen und wenn man vielleicht auch spielerisch eigentlich unterlegen scheint, dann ist es letztendlich vielleicht der Wille, der über den Spielausgang entscheidet.
Und dann ist so ein Sieg auch verdient.

Berlin, wir kommen!

BVB_98_28.04.15_Pokal München
© Borussia Dortmund

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