Der Abschied naht. 3 (oder mehr) Sätze zu Gündogans Nicht-Verlängerung.

Vor fünf Tagen, nachdem mehrere Medien berichteten, Gündogan werde den BVB im Sommer für 30 Millionen Euro Richtung Manchester United verlassen, habe ich darüber bereits gebloggt. Darüber, dass ich es schade fände, wenn er geht, dass ich ein kleines bisschen enttäuscht und ein kleines bisschen traurig wäre. Darüber, dass 30 Millionen Euro aber auch nicht zu verachten sind. Und darüber, dass man Reisende nicht aufhalten soll.

Warum also heute noch einmal? Weil wir seit heute zwei entscheidende Dinge wissen. Nachdem Borussia Dortmund, vor allem in Gestalt von Michael Zorc, sich empört zeigte darüber, dass Meldungen wie die von vor fünf Tagen in die Welt gesetzt werden, ohne überhaupt einmal beim Verein nachzufragen und überhaupt, gebe es nicht einmal eine Anfrage für Gündogan, da war doch alles wieder ein bisschen in der Schwebe.

Seit heute steht aber fest, dass Ilkay Gündogan seinen bis zum 30. Juni 2016 laufenden Vertrag bei Borussia Dortmund nicht verlängern wird. Das muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass er nach dem 30. Juni 2015 noch ein weiteres Jahr für den BVB spielen wird. Denn jetzt kann der Verein noch Geld für ihn bekommen – ob das tatsächlich 30 Millionen sein könnten oder vielleicht doch „nur“ 20, sei dahingestellt – während man ihn 2016 ablösefrei ziehen lassen müsste, wie es bei Lewandowski der Fall war.

Und unter der Aussicht, dass es sowieso „nur“ ein weiteres Jahr wäre, das Gündogan noch in Dortmund bliebe, kann in diesem Fall sogar ich so unsentimental sein und sagen, dann lieber jetzt. Nicht, dass ich Gündogan unterstellen würde, in seinem letzten Jahr nicht mehr alles für den BVB geben zu wollen – dass das gut funktionieren kann, hat man bei Lewandowski gesehen – aber vor allem in der Hinsicht, dass die Europa League noch nicht gesichert ist, es vielleicht bis zum allerletzten Spieltag nicht sein wird, können Einnahmen, die durch einen Verkauf Gündogans generiert werden, ganz sicher nicht schaden. (Auch, wenn ich es gar nicht mag, so etwas zu schreiben/zu denken.)

Interessant ist in dem Zusammenhang aber auch besonders, dass laut den Ruhrnachrichten noch überhaupt gar kein Kontakt zu anderen Vereinen besteht, noch kein Verein eine Anfrage bezüglich Gündogan an den BVB gerichtet hat. Entweder die sind durch die kolportierten 30 Millionen so abgeschreckt – oder alle etwas langsamer mit ihrer Personalplanung…

Man darf also durchaus gespannt sein, was da noch kommen mag. ManU und Bayern sind nach wie vor gerüchteweise im Gespräch – aber ginge Gündogan zu den Bayern, würde ich tatsächlich sowohl am Verstand der Bayern-Bosse als auch an seinem zweifeln. Im (defensiven) Mittelfeld herrscht bei den Münchnern sowieso schon ein Überangebot, da wäre Gündogan, mit all seinem Talent, tatsächlich vergeudet. Dann sehe ich in wirklich eher in der Premier League oder der spanischen Liga.

Was ich absolut nicht nachvollziehen kann: Kommentare nach dem Motto, „endlich sind wir ihn los“; Gündogan sei ein undankbarer Spieler, „unverfroren und charakterlos“, der sich auf Kosten des Vereins über ein Jahr lang „durchfüttern“ lässt und dann „unwillig“, „unförmig“ und „außer Form“ wieder zurückkommt (ja, das habe ich alles gelesen). Will man darauf überhaupt antworten? Ja, ich bin auch ein wenig enttäuscht darüber, dass er jetzt geht – aber so sehr ich auch fußballromantisch veranlagt sein mag: Nie hat Gündogan gesagt, er wolle ewig beim BVB bleiben oder ähnliches. Alles, was er dem BVB schuldig ist, ist, sich bis zu seinem Abschied, ob in diesem oder im nächsten Jahr, noch richtig reinzuhängen. Dass er nach mehr als einem Jahr Verletzungspause nicht in der Form seines Lebens ist, zumal sein Comeback (anders als bspw. bei Thiago) in eine Zeit fiel, in der in der gesamten Mannschaft nicht wirklich was zusammenlief, kann man ihm schwerlich vorwerfen. Dass er nach ein paar, wie ich persönlich fand, wirklich guten Spielen nachgelassen hat und zuletzt nicht besonders rühmlich gespielt hat, ist sicher auch richtig. Vielleicht tut es auch ihm gut, dass zumindest zwischen ihm und dem BVB jetzt Klarheit herrscht.

Reisende soll man nicht aufhalten. Das schrieb ich schon vor fünf Tagen. Man muss ihnen aber nicht auch noch verbal Steine hinterherwerfen. Ich persönlich wünsche Gündogan alles Gute, wann und wohin auch immer er wechseln wird.

© RN/DeFodi

© RN/DeFodi

Auf jeden Fall noch einmal wird Gündogan mit dem BVB in Berlin im Pokalfinale stehen.

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