Die T-Frage

Die Gerüchteküche kocht immer weiter, immer wieder gibt es neue, mehr oder weniger gruselige, Vorstellungen davon, wer geht, wer kommt und überhaupt, was nicht alles verändert werden muss. Eine Frage, die dabei auch immer wieder mal aufkommt und mit der sich diese Woche auch die Ruhrnachrichten beschäftigt haben, ist die nach der Torhüterposition. Wird Langerak jetzt mit sofortiger Wirkung die Nr. 1, ist er es vielleicht schon, oder werden wir doch noch einmal Weidenfeller im BVB-Tor stehen sehen?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass in den letzten drei Spielen, sofern nichts Überraschendes mehr passiert, Mitch Langerak das Tor hüten wird. Jetzt noch mal zu wechseln erscheint mir ziemlich unsinnig. „Never change a winning system“: Die Mannschaft hat grade einen kleinen Lauf – ob das an Langerak liegt oder nicht, ist zweitrangig, aber es gibt wohl eher keine Veranlassung, in dieser Saison auf der (oder irgendeiner anderen) Position noch einmal durchzutauschen.

Langerak+Weidenfeller_1_12.05.15_RN-DeFodi© RN/DeFodi

Und dann? Wenn wir auf Platz 6 in die Sommerpause gegangen sind und mit dem Pokal in der Tasche in die neue Saison starten? Natürlich ist es aufgrund des Trainerwechsels nicht so leicht, Aussagen zur Kaderplanung im nächsten Jahr zu machen. Aber, so leid es mir auch tut, ich sehe Weidenfeller nicht mehr als Nr. 1. Und ja, da ist ein bisschen Wehmut mit dabei, Weidenfeller war lange beim BVB, hat der Mannschaft oft genug den A*** gerettet. Andererseits hätte es Mitch Langerak, dieser scheinbar dauer-gutgelaunte Kerl, sowas von verdient, nachdem er seit bald 5 Jahren ohne zu murren die meiste Zeit auf der Bank verbracht und nie irgendwelche Ansprüche angemeldet hat. Und – ich konnte es grad kaum glauben, als ich es nachgeschaut habe, aber: So ganz jung, wie ich dachte, ist er auch nicht mehr – da gibt es einige deutlich jüngere Stammtorhüter in anderen Bundesliga-Vereinen.

Weidenfeller war lange Jahre ein großartiger Torwart – und wurde mit der Zeit sogar auch noch sympathisch ;-) Aber diese Saison war nicht seine. Irgendwo habe ich gelesen, die Nationalmannschaft hat ihn versaut. Das ist vielleicht ein wenig drastisch formuliert, aber Tatsache ist, dass er nach der WM nicht wirklich in Form gekommen ist – obwohl er, anders als bspw. Hummels, dort zu keinem einzigen Einsatz kam. Mein ganz persönlicher Eindruck ist, dass er in letzter Zeit zu sehr versucht, wie Neuer zu spielen. Einige Situationen habe ich im Kopf, auch wenn ich nicht konkret benennen könnte, wann und wo es war, in denen er weiter als gewöhnlich vor seinem Tor stand, in denen er mitspielen wollte, und wo es dann ganz oder fast in die Hose ging. Auch, wenn das böse klingt: Er kann das nicht. Er ist kein Torhüter wie Neuer und dann sollte er das auch nicht versuchen. Wobei das absolut nicht als Vorwurf gemeint ist – er ist halt ein anderer Typ Torwart, ist vielleicht auch noch ganz anders ausgebildet worden. (Über Ausbildung und die Entwicklung des Torwartspiels haben vor kurzem Yann Sommer und Gladbachs Torwarttrainer Uwe Kamps in einem interessanten Interview mit dem Westen gesprochen.) Aber irgendwas ist anders, seit der WM.

Weidenfeller_2_Januar 15_Trainingslager© Borussia Dortmund

Weidenfellers Vertrag läuft noch bis 2016. Kann ich ihn mir ein Jahr auf der Bank vorstellen? Eigentlich nicht. Die Frage ist aber ja auch, ob er es woanders, in Deutschland, in Europa, noch einmal zur Nummer 1 schaffen könnte? Wenn die Entscheidung die ist, Bank beim BVB oder Bank woanders – dann könnte ich mir schon vorstellen, dass er bleibt. Bei all den Transfer-Gerüchten, die man zur Zeit hört, sind bezüglich Weidenfeller keine dabei. Transfermarkt.de gibt eine Wechselwahrscheinlichkeit von 25 % zum AC Florenz aus – nicht gerade viel. Zukunft offen, würde ich mal sagen.

Wenn ein neuer Torwart geholt wird, dann wohl eher einer, der sich auf die Bank setzt und hinter Langerak anstellt -also  keinen Timo Horn, dessen Name in Bezug auf den BVB ja öfter fällt. Und dann sind da ja noch die Torhüter der Amateure, wie Zlatan Alomerovic, der langsam aber sicher zu alt wird für die U23 Laut Malte Dürr in der „Schalte zu Malte“ der letzten Ausgabe von Auffe Ohren wird Alomerovic den BVB wohl verlassen. Was ich auch ein wenig schade finde, denn den finde ich einfach unglaublich sympathisch. Dahinter steht der nach seinem gehaltenen Elfmeter im Spiel gegen Unterhaching ein wenig gehypte Hendrik Bonmann, der Dortmunder Junge – der dann wohl Stammtorwart der U23 – hoffentlich weiterhin in der 3. Liga – sein wird.

Ich denke und hoffe, dass die Zukunft beim BVB Langerak gehört – nicht (mehr) Weidenfeller, aber auch keinem neuen Torwart. Langerak ist gut, Langerak hat es sich verdient – nicht erst seit dem schon bald legendären Elfmeterschießen im Pokalhalbfinale.

Langerak_2_25.04.15_Frankfurt© Borussia Dortmund

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2 Gedanken zu “Die T-Frage

  1. Danke. Guter Beitrag zur Torwartfrage. Wenn es nach mir geht (geht es ja sowieso nicht), gehört Langerak die Zukunft. Er ist unglaublich sympathisch und was noch wichtiger ist, er überzeugt durch Leistung, sofern er auf dem Platz steht/stand. Er ist mit Sicherheit der stärkste Ersatztorwart der Liga und er hat seine Chance mehr als verdient. Wenn Weidenfeller mit macht, würde ich sagen, er wird Nr 1b im nächsten Jahr und Langerak darf zeigen, dass er das Zeug zum Stammkeeper hat. Wenn er sich beweist, muss man sich Gedanken um eine neue Nr. 2 machen, wenn nicht (davon geh ich nicht aus) kann man nach diesem Jahr versuchen einen Torhüter aller Horn oder Karius zu verpflichten. Aber ich plädiere mindestens auf die Chance für Langerak in der nächsten Saison! Und danke Weidenfeller für alll das, was er für den BVB in dieser langen Zeit geleistet hat. Danke Roman! Come on Mitch!

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    • Hallo Anja,
      vielen Dank für deinen Kommentar – der erste auf diesem Blog! :)
      Ich denke auch, ob und wenn ja, was für einen neuen Torwart man holt, wird abhängen von Weidenfellers Entscheidung. Ob er bereit ist, sich in seinem letzten Jahr beim BVB hinten anzustellen und auf die Bank zu setzen oder ob er sein Glück anderswo versucht. Was er für den BVB getan hat, wird sowieso auch weiterhin Bestand haben, aber ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht ist, wenn das Ende auf diese Art so langsam eingeläutet wird.

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