Niederlage und Abschiede. Enttäuscht und traurig.

Jetzt ist es also so gekommen. Das Pokalfinale ist gespielt und der Pott ist nicht mit dem BVB in den Pott gereist, sondern in die Autostadt. Verloren. Mit 1:3 gegen den VfL Wolfsburg. Was kann, was soll man zu diesem Spiel vom Samstag sagen? Stark angefangen, stark nachgelassen – auch, wenn das eine Phrase ist, trifft sie es doch ziemlich gut. Anders als im letzten Jahr können wir dieses Mal die Schuld nicht beim Schiedsrichter suchen. Dieses Mal war der BVB über 90 Minuten einfach zu schlecht. Und zwar im Kollektiv. Klar kann man Reus herauspicken, bei dessen Chance zum 2:0 wohl alle den Ball quasi schon im Tor gesehen hatten. Klar kann man auch Langerak vorhalten, dass er beim 1:1 den Ball nur abprallen lässt. Kann man Schmelzer dafür kritisieren, die Flanke nicht verhindert zu haben. Aber das wäre nicht fair, denn am Samstag hat keiner der BVB-Spieler geglänzt. Man gewinnt zusammen, man verliert zusammen, auch das trifft auf dieses Spiel zu. Wolfsburg war (leider) der verdiente Sieger. Punkt.

Es wäre so schön gewesen. Es wäre so schön gewesen, Kehl und Klopp mit diesem Titel zu verabschieden – vielleicht wäre es auch leichter gewesen, sie mit diesem Titel zu verabschieden. So war es ein doppelt trauriger und enttäuschender Abend: Finale verloren und Abschied nehmen müssen. Nicht schön.

Kehl_23_30.05.15_Pokalfinale© Borussia Dortmund

Und wenn ich jetzt mal ein bisschen egoistischer denke, als ich es eigentlich bin: Vielleicht habe ich mich ein bisschen auch deswegen so sehr auf das Pokalfinale gefreut und mir den Titel so sehr gewünscht, weil es „mein“ erster Titel mit dem BVB gewesen wäre. Richtig beinharter BVB-Fan bin ich erst nach dem Finale 2012, zu Beginn der Saison 2012/2013 geworden. Und habe seitdem in Endspielen nur Niederlagen erlebt. Die ganz offensichtlich für mich kein Grund waren, dem Verein wieder den Rücken zu kehren, keinesfalls. Aber gerne hätte auch ich jetzt mal einen Titel bejubelt, anstatt die nächste Final-Niederlage ein- und wegzustecken.

Irgendwann nach dem Spiel war es dann so weit, dass die Abschiede von Kehl und Klopp fast mehr weh taten als die Niederlage. Abschied nehmen nach so einem Spiel. Traurig. Klopps Zeit beim BVB ist jetzt beendet. Und nein, da kann ich nicht einfach drüber weggehen. „Der Vergleich schmälert  die großartige Erinnerung und erschwert die großartige Zukunft“, hat Jürgen Klopp in seiner Abschiedsrede nach dem Spiel gegen Werder gesagt. Da hat er Recht, wie so oft. Und ich bin weit davon entfernt, Tuchel und Klopp miteinander zu vergleichen oder zu sehr in der Erinnerung an Klopp zu versinken. Aber ich kann auch nicht einfach nicken und mit einem „Der Verein ist größer als alle und alles“ zum nächsten Tagesordnungspunkt übergehen. Dafür war Klopp zu viel und zu sehr mit dem BVB verbunden. Ich bin sportlich sehr überzeugt von Tuchel. Ob ich das menschlich auch sein werde, wird sich zeigen, das kann ich jetzt noch nicht beurteilen. Fest steht: Spätestens bei Trainingsauftakt werde ich voll hinter ihm stehen. Spätestens dann werde ich vorfreudig und neugierig sein, auf die neue Saison, auf den Fußball, der unter Tuchel gespielt werden wird. Aber ein bisschen Zeit brauche ich schon noch, um mich daran zu gewöhnen, dass Klopp weg ist, damit ich Tuchel und ihn eben nicht ständig nebeneinander stelle. So eine Zeit wird Klopp auch brauchen. Die Spieler (und da verzichte ich an dieser Stelle auf die Floskel „Jungs sind Profis genug“) auch. Da bin ich mir sicher. Und das ist ja auch gar nicht schlimm, denn dafür gibt es ja immerhin ein paar Wochen Sommerpause.

Klopp_23_30.05.15_Pokalfinale© Borussia Dortmund

„Jedes Mal, wenn ich einen meiner Spieler im Arm habe und weiß, dass ich ihn zum letzten Mal möglicherweise im Arm habe, dann sind sofort die Tränen da.“ Spätestens da hatte ich dann am Samstagabend auch Tränen in den Augen. Und wenn ich nicht zuhause sowieso schon mitleidig bis spöttisch angeguckt worden wäre, hätte ich vermutlich auch offen geheult. Ich kann keine Abschiede. Und die gesamte Gemengelage, dass 13 bzw. 7 großartige Jahre so doof enden sollten, das hat mir und vermutlich vielen anderen einfach nicht gepasst. Wenn ich darüber schreibe und darüber nachdenke, bin ich noch immer traurig. Ein bisschen sauer. Enttäuscht.

Klopp wird sich eine Pause nehmen, wird nicht direkt den nächsten Verein betreuen. Für alle anderen gibt es die Sommerpause – um die Niederlage und den Abschied zu verarbeiten und richtig große Vorfreude auf die neue Saison zu entwickeln. Übermorgen, am Mittwoch, wird Thomas Tuchel in Dortmund vorgestellt. Vielleicht wird auch das schon die Stimmung verändern, anheben.

Jetzt bleibt erst einmal nur noch, ein letztes Mal Danke zu sagen. Danke, Kehli! Danke, Kloppo! Eure wunderbare Zeit beim BVB solltet ihr euch und sollten wir uns nicht von diesem einen Abend in Berlin vermiesen lassen!

Klopp_22_30.05.15_Pokalfinale   Kehl_22_30.05.15_Pokalfinale_bearb
© Borussia Dortmund

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