Transferkarussell – Teil II

Es ist Sommerpause – noch immer. Haupt-Gesprächs- und Diskussionsthema bleiben die Transfers. Zu denen ich selbstverständlich auch eine Meinung habe. Und genau die werde ich in mehreren Teilen hier ausbreiten. Hier nun Teil II, zu einer Personalie, die hohe Wellen schlug in den vergangenen Tagen und Wochen.

Wie bereits am Dienstag angekündigt, muss es sich in einem Teil des Transferkarussels natürlich um die Causa Gündogan und/bzw. Geis drehen. Nachdem die Vertragsverlängerung nun am Mittwoch über die Bühne gegangen ist und sich Geis in der Zwischenzeit auch lieber für den blauen Club aus dem Nachbarort entschieden hat, dürfte dies der richtige Zeitpunkt sein, um die Situation zusammenzufassen und – so sachlich wie  möglich – zu bewerten.

Beginnen wir mit den Fakten: Ilkay Gündogan, seit 2011 bei Borussia Dortmund, war in der vor allem in der Saison 2012/2013, die mit dem Champions League-Finale in Wembley endete, einer der herausragenden Spieler in einer insgesamt hervorragenden Mannschaft. Eine komplizierte und langwierige Rückenverletzung nahm ihn dann für über ein Jahr – von August 2013 bis zum September 2014  – außer Gefecht. In dieser Zeit verlängerte er seinen ursprünglich nur bis zu diesem Sommer laufenden Vertrag beim BVB um ein Jahr bis zum 30. Juni 2016. Nach seinem Comeback im Spiel gegen Köln im Oktober 2014 – zu einem Zeitpunkt, als die komplette Mannschaft schon lange in’s Trudeln gekommen war – spielte er für einige Partien gut (angesichts seiner langen Ausfallzeit erstaunlich gut) auf, vor allem in den Spielen mit Nuri Sahi neben ihm auf der Doppelsechs. Diese Form konnte er aber nicht lange halten, sondern fiel zurück auf (höchstens) Mittelmaß, als der Rest der Mannschaft sich endlich einigermaßen gefangen hatte.

Zeitgleich ging er sehr offenherzig mit seinen Wechselabsichten um, eine Tatsache, die ihm eigentlich hoch anzurechnen ist. Im April ging der BVB in die Offensive und verkündete, Gündogan habe seinen Vertrag nicht verlängern wollen und werde den Verein im Sommer verlassen – einen zweiten Fall Lewandowski solle es nicht geben, ablösefrei wollte man ihn nicht hergeben. Verständlich.

Wie kam es bei dieser Ausgangslage jetzt also doch zu der Verlängerung? Vielleicht war der BVB im April mit seinen Äußerungen doch etwas zu offensiv. Und/Oder vielleicht hat Gündogan einfach zu hoch gepokert. Jedenfalls war er Real Madrid und ManU letzten Endes wohl doch etwas zu teuer. Oder nicht gut genug. Und bei Barca dürfte vielleicht auch das Transferverbot  (das ja faktisch doch nicht wirklich eins ist, aber das ist ein andrres Thema) eine Rolle gespielt haben. Jedenfalls gab es plötzlich doch nicht mehr wirklich eine Alternative zu einem Verbleib beim BVB.

Und jetzt läuft sein Vertrag in Dortmund eben bis zum 30. Juni 2017. Immerhin hat er verlängert, könnte man jetzt sagen. Er  hätte ja auch seinen Vertrag einfach aussitzen können. Wobei ihm da der BVB, da bin ich mir doch recht sicher, deutlich gezeigt hätte, was er davon hält. Soll heißen, in dem Fall hätte sich Ilkay vermutlich auf einem Tribünenplätzchen häuslich einrichten dürfen. Man könnte auch sagen, der BVB steht jetzt ziemlich dämlich da: So laut haben sie noch vor wenigen Wochen getönt, Ilkay werde im Sommer wechseln und jetzt das. Eine mindestens ebenso unglückliche Figur gibt aber auch Ilkay selbst ab. Und so haben sich alle beteiligten Parteien letztlich auf eine Lösjng einigen können, die für alle Seiten vorteilhaft sein kann.

Kann. Ob sie es wird oder nicht, hängt maßgeblich davon ab, ob Ilkay in der  kommenden Saison spielt – und wie er spielt. Erreicht er wieder oder annähernd Top-Form, dürften spätestens im nächsten Sommr die Chancen auf einen Wechsel zu einem Top-Club deutlich erhöht sekin. Und sollte dieser dann vollzogen werden, wäre Gündogan da, wo er schon lange hin wollte – und der BVB dürfte mit einer ordentlichen Summe mehr Geld in der Hand dastehen als zuvor. Natürlich müsste man sich dann vermutlich auch um einen entsprechenden Ersatz bemühen, aber auch das fällt mit Geld (und idealerweise Aussichten auf CL-Spiele) deutlich leichter als ohne. Das heißt aber natürlich auch, dass das Wechseltheater, das uns in den vergangenen Wochen und Monaten begleitete, spätestens im Winter wieder auflebt.

Und es ist eben, wie gesagt, in erster Linie abhängig von Ilkays Leistungen. Wenn er weiterhin so spielt wie in den letzten Spielen der just abgelaufenen Saison, wird das auch im nächsten Jahr nichts mit den Top-Adressen des europäischen Fußballs. Und dann  hat der BVB einen Spieler „an der Backe“, der so lala ist, aber vermutlich jeden Monat eine Menge Geld einstreicht. Vor diesem Fall mache ich mir aktuell aber eigentlich keine Sorgen, da ich zuversichtlich bin, dass er mit einer kompletten, gründlichen Vorbereitung, in einer stabileren Mannschaft und mit Klarheit, was den Verbleib in der näheren Zukunft angeht, schnell zu guter Form zurückfindet.

Bei aller Rationalität – und das ist jetzt der Punkt, wo ich nicht mehr zu hundert Prozent sachlich bleiben kann – für den Fan und vor allem  für denjenigen, der Fußball vielleicht auch ein wenig romantisch verklärt sieht, bleibt ein fader Beigeschmack. Bleibt das Gefühl, dass für Ilkay der BVB eher ein Notnagel denn echte Liebe, Dortmund mehr denn je eine Durchgangsstation auf dem Weg zu Größerem ist. Ja, echte Liebe ist auch nur ein Marketing -Claim, schon klar – dennoch hat die Verlängerung von Marco Reus oder selbst der Nicht-Wechsel von Mats Hummels ein  besseres Gefühl erzeugt als diese Situation jetzt.

So, und was hat jetzt Johannes Geis damit zu tun? Der 21-jährige jetzt-Schalker wurde als heißester Gündogan-Ersatz gehandelt, so heiß, dass selbst die Ruhrnachrichten schon über ihn berichteten. Klar war aber auch immer, dass Geis eben nur genau dann kommt, wenn Gündogan geht. In Castro (neu von Leverkusen) war ein Ersatz für Sebastian Kehl bereits gekommen, daneben sind Sven Bender und Nuri Sahin (derzeit verletzt) ja auch noch da, Matthias Ginter und Olli Kirch könnten grundsätzlich ebenfalls im defensiven Mittelfeld spielen, genauso wie Julian Weigl (neu von 1860 München). Wie das zeitlich jetzt genau abgelaufen ist, also ob erst die Vertragsverlängerung von Gündogan im Raum stand und der BVB daraufhin Geis abgesagt hat, oder ob Geis sich für Schalke entschieden hat und der BVB als Reaktion darauf die Kehrtwende vollzogen hat, wissen wir natürlich nicht und vielleicht ist das auch ganz gut so.

Gündogan_8_07.05.15© Borussia Dortmund

Klar ist: Gündogan muss jetzt Leistung zeigen und zwar möglichst schnell. Dass viele Fans nicht gut auf ihn und den ganzen Wechselwirbel zu sprechen sind, hat er gestern bei der Saisoneröffnung deutlich zu spüren bekommen: Der einzige Spieler, bei dessen Vorstellung gepfiffen wurde, war er. Was im Übrigen natürlich völlig daneben ist, denn er war und er ist ein BVB-Spieler und die unterstützt man. Zumal er sich, laut Tuchel, jeder Zeit absolut korrekt verhalten hat – da passiert so viel hinter den Kulissen, was wir Fans gar nicht mitbekommen. Jetzt bleibt er und ja, das schlechte Gefühl, das bleibt vielleicht auch noch eine Weile. Aber das wird hintenangestellt. Ich wünsche Ilkay Gündogan, dass er möglichst bald auch den letzten Nörgler wieder durch Leistung überzeugt – und natürlich wünsche ich das auch dem BVB. Denn ein Gündogan in Top-Form ist ein Spieler, den man so leicht nicht ersetzen kann und von dem, was wir von Geis bspw. bei der U21-EM gesehen haben, wäre der ganz sicher nicht (sofort) in der Lage dazu gewesen. Vielleicht denken wir ja nächsten Sommer an die Saison zurück und denken, wie geil, dass Gündogan verlängert hat. Das wäre auf jeden Fall der ideale Ausgang dieser Situation.

 

Der nächste Teil wird wohl etwas kürzer und wird sich – sofern keine unerwarteten Dinge dazwischen kommen – sich mit dem Wechsel von Milos Jojic nach Köln beschäftigen. 

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