From Dortmund with love – die Asiatour des BVB

Am heutigen Samstag ist Borussia Dortmund von seiner Asienreise zurückgekehrt. In Tokio, Singapur und Malaysia wurde Station gemacht, zwei Testspiele wurden souverän gewonnen (6:0 gegen Kawasaki Frontale und 6:1 gegen die Johor Southern Tigers) und insgesamt die BVB-Euphorie in Asien wohl noch einmal kräftig angefacht. Die Reise war ganz sicher nicht unumstritten und das aus mehreren Gründen. Rein sportlich gesehen dürften die sechs Tage in Asien so manch einem ein wenig Bauchschmerzen bereitet haben: Die Anreise ist nicht ohne, das Klima ein völlig anderes und eine ungestörte Trainingswoche in Dortmund hätte Tuchel vielleicht lieber gesehen, wo doch Ende Juli bereits das erste Pflichtspiel auf dem Programm steht und die Reise die Vorbereitungszeit weiter verkürzt.

Aus politisch-gesellschaftlichem Blickwinkel ist ein kritischer Blick auf die Reiseziele Malaysia und Singapur zu werfen: Sind dies die richtigen Länder, um Kooperationen im Nachwuchsbereich (mit den Johor Southern Tigers) und partnerschaftliche Beziehungen einzugehen? Wie sieht es mit den Menschenrechten dort aus? Schwatzgelb.de hat sich dieser Frage gewidmet und erklärt, wie die Situationen in den Ländern aussehen, aber auch welche Chancen die Zusammenarbeit bringen könnte. Da ich in dieser Frage selbst kein Experte bin, verweise ich an dieser Stelle gerne auf den Artikel und widme mich in diesem Post einem anderen Aspekt.

Denn auch wenn ich anfangs nicht besonders überzeugt war von dieser Reise, bin ich mittlerweile der Meinung, dass sie der Mannschaft unter anderem in Punkto Teambuilding, gegenseitigem Kennenlernen auch des neuen Trainers Thomas Tuchel und Selbstvertrauen unglaublich gut getan hat. Einen Empfang, wie ihn der BVB vor allem in Tokio, aber auch in Singapur und Malaysia bereitet bekommen hat, hätte sich wohl niemand ausmalen können. Die Freude über den Besuch des BVB dort ist riesig und die Menschen drücken ihre Freude und ihre Dankbarkeit ganz direkt und offen aus. Das spüren die Spieler sicherlich und wenn man die Bilder sieht, die nach den Spielen oder bei Meet and Greet-Veranstaltungen entstanden sind, dann sieht man, wie alle ein kleines bisschen überwältigt sind von den positiven Gefühlen und wie gut ihnen das tut.

Aubameyang+Hummels+Maruoka_1_07.07.15_Dersch© Dersch

Den Menschen, den Fans dort ist völlig egal, welchen Spieler sie vor sich haben. Natürlich war in Japan vor allem Shinji Kagawa gefragt, aber abgesehen davon machen die Fans keinen Unterschied zwischen einem Marco Reus oder einem Erik Durm. Und dass die vergangene Saison mächtig verkorkst war, zählt dort auch gar nichts. Ich weiß nicht, ob sie unvoreingenommer sind, ob sie es nicht wissen oder ob es ihnen schlicht egal ist. Fakt ist, dass wir Fans in Deutschland wohl eine ganz andere Erwartungshaltung haben, ein 6:0 gegen den japanischen Tabellen-Fünften längst nicht so frenetisch bejubeln wie die Japaner und insgesamt weniger ausgelassen reagieren. Nun könnte man natürlich einwenden, dass die Jungs dann womöglich alle abheben, aber das glaube ich nicht. Das hätte/würde es in Deutschland oder im Trainingslager in Bad Ragaz nicht gegeben/geben und das wissen die Spieler auch. Aber es tut ihnen einfach unheimlich gut, es streichelt die Seele ein wenig und das kann ganz sicher nicht schaden. Eine Zeile aus einem der letzten Beatles-Songs kommt mir da unweigerlich immer wieder in den Sinn, wenn ich darüber nachdenke: „And in the end/The love you take/Is equal to the love you make.“ Die Mannschaft muss da nur auftauchen und bekommt so direkt so unglaublich viel zurück. Ich habe schon das Empfinden, dass das ein wenig anders ist als hier bei uns und vor allem ist es unerwarteter und deswegen vielleicht noch ein Tick schöner oder wohltuender.

Reus_57_07.07.15_BVB© Borussia Dortmund

Davon abgesehen sind die Testspielergebnisse zwar natürlich insofern mit Vorsicht zu genießen, als dass man gegen Gegner auf vielleicht deutschem Zweitliga-Nivau gespielt hat, aber nichtsdestotrotz haben die Spiele gezeigt, welche riesengroße Lust die Mannschaft auf Fußball hat. Auch einige „Neuerungen“ im Spiel meine ich schon erkannt zu haben und, ohne das jetzt belegen zu können, gibt mir das BVB-Spiel das Gefühl, dass es jetzt (endlich wieder) flüssiger läuft, dass mehr Selbstvertrauen da ist. Auch einige Spieler haben sich ein wenig in den Vordergrund gespielt, allen voran Julian Weigl, den ich überhaupt noch nicht so auf dem Schirm hatte, Maruoka, auch Shinji und Kevin Kampl. Und außerdem ist ja nicht alles im Spiel überhaupt vom Gegner abhängig, da gibt es grundsätzliche Dinge, das Spiel über die Außen, schnelle direkte Pässe, die ich so in der letzten Zeit nicht so gesehen habe, die mir gut gefallen und mir noch mehr Lust auf die neue Saison machen.

Kagawa+Weidenfeller_1_07.07.15_RN-Dersch© Dersch

Und ich denke, dieser letzte Punkt ist es, in dem die Asienreise auf jeden Fall ein voller Erfolg war: Neben Marketing-Gründen und -Erfolgen hat der BVB gezeigt, welche Lust er auf Fußball hat und haben wir Fans vielleicht noch größere Lust auf die Saison bekommen, als es vorher schon der Fall war. Ich jedenfalls bin sehr gespannt auf die weiteren Testspiele gegen Gegner von einem etwas größeren Kaliber, bin gespannt, ob sie den bisherigen Eindruck bestätigen können, und kann es kaum erwarten, dass dann irgendwann auch endlich die Saison wieder beginnt. Die Asientour jedenfalls war, so mein Gefühl und meine Meinung, auch wenn sie sicherlich anstrengend war und in Dortmund mehr und zielgerichteter hätte trainiert werden können, eine gute Sache und hat vor allem im zwischenmenschlichen Bereich eine Menge bewirkt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s