Transferkarussell Teil III – Zwei Abgänge

Es ist Sommerpause – noch immer. Haupt-Gesprächs- und Diskussionsthema bleiben die Transfers. Zu denen ich selbstverständlich auch eine Meinung habe. Und genau die werde ich in mehreren Teilen hier ausbreiten. Hier nun Teil III, zu einer Personalie, die hohe Wellen schlug in den vergangenen Tagen und zu einem Wechsel, der vergleichsweise unkompliziert und leise über die Bühne ging.

Ich habe euch schon gefühlt wochenlang einen Teil des Transferkarussells zu Milos Jojic versprochen. Jetzt kam die Aufregung und Bestätigung des Wechsels von Ciro dazwischen, aber um euch nicht länger warten zu lassen, „erledige“ ich die beiden jetzt einfach „in einem Abwasch“.

Zunächst kommt aber Jojic dran. Die Fakten zuerst: Jojic kam im Januar 2014 nach Dortmund, wohl vor allem aufgrund des Kreuzbandrisses von Kuba, und unterschrieb einen Vertrag bis 2018. Er stand in insgesamt 29 Spielen für den BVB auf dem Platz, spielte sieben Mal über die vollen 90 Minuten und schoss  4 Tore. Den letzten Einsatz hatte er im letzten Liga-Spiel gegen Werder vor wenigen Wochen, wo er 9 Minuten vor Schluss eingewechselt wurde. Davor war er lange Zeit gar nicht im Kader oder kam nicht zum Einsatz, vor dem Bremen-Spiel durfte er das letzte Mal am 13. Spieltag der Hinrunde bei der 2:0-Niederlage gegen Frankfurt ran. Er war einer der wenigen, wo ich mir hundertprozentig sicher war, dass er den BVB nach dieser Saison verlassen würde.

Jojic_1_11.08.14© Borussia Dortmund

Unvergessen bleiben wird allerdings wohl sein erstes Tor in seinem allerersten Spiel für den BVB: Gegen Eintracht Frankfurt wurde er für Mkhitaryan eingewechselt und traf nur 17 Sekunden später! Das war das schnellste Tor bei einem Bundesliga-Debüt und das drittschnellste Tor eines Einwechselspielers!

Vielleicht aufgrund dieses natürlich hervorragenden ersten Eindrucks fand ich ihn am Anfang sehr vielversprechend. Aber irgendwie folgte dann nicht viel, was wirklich herausragend gewesen wäre. An eine sehr gute Leistung beim 2:0-Sieg im Rückspiel gegen Real Madrid kann ich mich erinnern, aber davon abgesehen hat er es nie wirklich geschafft, sich in den Vordergrund zu spielen. Was ich nach wie vor schade finde, weil ich ihn für einen unglaublich sympathischen und intelligenten Typ halte, dem ich alles Gute wünsche für seinen weiteren Weg beim 1. FC Köln.

Köln im übrigen halte ich für eine gute Wahl (mal abgesehen davon, dass die dort grad unglaublich gute Transferarbeit machen und darüber hinaus jetzt, mit Jojic und Leo Bittencourt, schon zwei ehemalige Borussen verpflichtet haben), denn Jojic hat auf jeden Fall Potential und Talent und kann das bei einem Verein wie Köln vielleicht eher zur Geltung bringen und sich in der Bundesliga fest etablieren, als bei Dortmund, wo die Ansprüche und auch die mannschaftsinterne Konkurrenz einfach nochmal drei Nummern größer sind. Was ich bei der U21-EM von Jojic gesehen habe, hat mir jedenfalls auch gefallen und ich hoffe und wünsche ihm, dass er es bei Köln so richtig schafft.

So. Und damit zu Ciro. Und der Frage: War das vielleicht doch alles einfach nur ein großes Missverständnis?

Viel ist in den vergangenen Tagen geschrieben und gesagt worden zu ihm. Eine Diva sei er, die schmollend in der Ecke sitzt, sich beim BVB sowieso nie integrieren wollte und sich dann noch beschwert hat, dass ihn nie jemand zum Essen eingeladen hat. Hm. Was ich am Freitag geschrieben habe in dem Zusammenhang, gilt immer noch: Ich hatte noch nie den Eindruck, er sei wahnsinnig glücklich in Dortmund, sei locker drauf und strotze nur so vor Selbstbewusstsein. Ich habe das – weil ich nun einmal grundsätzlich jedem gegenüber erst einmal positiv eingestellt bin – darauf geschoben, dass er eben kein Typ sei, der ständig grinsend durch die Gegend rennt, dass er vielleicht ein eher introvertierter Typ ist.

Immobile_7_XXX_Köln© Borussia Dortmund

Auch hier zunächst einmal ein paar Fakten: Gekommen im letzten Sommer, ist er natürlich mit großen Erwartungen belegt worden, schließlich war er quasi der Eins-zu-Eins-Ersatz für Robert Lewandowski – auch wenn alle immer betont haben, dass man das natürlich genau auf keinen Fall so sehen dürfe, wurde er indirekt natürlich doch immer an ihm gemessen. In 1651 Minuten für den BVB, verteilt auf 34 Spiele, hat er dann aber eben doch „nur“ 10 Tore geschossen – was den Ansprüchen vieler und vermutlich auch seinen eigenen wohl einfach nicht gerecht wurde. Noch dazu waren es „nur“ 3 Tore in der Liga in 24 Einsätzen.

Natürlich stimmt das nicht zufrieden, weder ihn, noch den Verein, noch die Fans. Ein bisschen enttäuscht bin ich einfach, dass er jetzt so schnell „aufgegeben“ hat, dass er nicht versucht hat sich durchzubeißen und es in Dortmund zu schaffen, sondern den (vermeintlich) leichteren Weg geht über den FC Sevilla. Mittlerweile dürfte doch eigentlich allgemein bekannt sein, dass das erste Jahr beim BVB oft und schon für viele schwierig ist/war, warum auch immer. Andererseits, was wissen wir schon? Vielleicht hat Tuchel ihm auch klipp und klar gesagt, dass er nicht mit ihm plant. Vielleicht fühlt er sich einfach absolut nicht wohl in Deutschland – na klar gibt es da kulturelle Unterschiede und dass es einem Italiener hier komisch vorkommt, kann ich mir sehr gut vorstellen. Und wenn es einfach nicht passt und man nicht die Hoffnung hat, dass es nochmal besser werden könnte, warum sollte man dann nicht dem Schrecken ein frühes Ende setzen? Auch, wenn wir natürlich gesehen haben, dass auch Immobile lachen kann und sich zumindest offenbar mit einigen der anderen Spieler dann doch gut versteht.

Aubameyang+Immobile_1_20.02.15_Stuttgart        Immobile+Mkhitaryan_2_20.05.15_RN-DeFodi
© Borussia Dortmund/RN-DeFodi

Ich hätte gerne gesehen, dass er bleibt, dass er eine Chance bekommt und dass er sich durchsetzt. Aber mittlerweile denke sogar ich, vielleicht war ein „Ende mit Schrecken“ tatsächlich die beste Lösung für diese Situation.

Bliebe noch die Frage: Wie lange bleibt er jetzt in Sevilla und müssen die ihn kaufen? Aktuell ist er ja tatsächlich nur für ein Jahr ausgeliehen. Und dann geisterten sowohl die Worte ‚Kaufoption‘ als auch ‚Kaufverpflichtung‘ durch die Presse, letzteres verbunden mit der Aussage, Sevilla zahle jetzt 3 Millionen Leihgebühr und dann im nächsten Jahr noch einmal 9 bis 10 Millionen, sodass der BVB am Ende 12 bis 13 Millionen für Immobile bekommt. Eine endgültige Bestätigung für eine dieser Versionen habe ich allerdings noch nirgendwo gelesen. Die Kaufverpflichtung wäre aus BVB-Sicht natürlich eine großartige Sache, denn so kann man sich sicher sein, dass er nicht mehr zurückkommt – das klingt jetzt fies – und man eine akzeptable Ablösesumme bekommt. Gäbe es nur eine Kaufoption und Immobile setzte sich auch in Sevilla nicht durch, hätte man ihn im nächsten Sommer wieder „an der Backe“. Von daher bin ich durchaus gespannt, ob man in der Beziehung nochmal was erfährt.

Selbstverständlich wünsche ich auch Ciro alles Gute und dass er in Sevilla vielleicht tatsächlich glücklicher wird, als er es in Dortmund war.

Einen weiteren Teil wird es mindestens noch geben, in dem ich etwas zu den „Rückkehrern“ Hofmann, Leitner und Duksch sage. Allerdings möchte ich lieber keine Aussagen dazu machen, wann ich wohl dazu komme.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s