Neue Leader hat der BVB

Zwei Pflichtspiele hat der BVB in dieser Saison nun bereits bestritten. Und das mit Erfolg – durch zwei Siege gegen den Wolfsberger AC ist die Mannschaft nun in den Play-Offs zur Europa League, also eine Runde weiter. Nun könnte man aus diesen beiden Spielen eine Menge auffälliger Akteure benennen, denn in sportlicher Hinsicht haben sich dort einige Spieler hervorgetan, darunter einige, die man so vielleicht nicht auf dem Zettel hatte.

Aber mir geht es heute um etwas anderes, nämlich um ein Thema, das sowohl Dirk Krampe in den Ruhrnachrichten als auch Stefan Döring auf Goal.com bereits ansprach:

Nun ist mir diese Geste, die Aufforderung von Reus in die Kurve zu gehen, nicht aufgefallen. Wohl aber andere Momente, kleine Dinge, sowohl im Hin- als auch im Rückspiel, die zeigen, dass Reus eine leicht veränderte Rolle einnimmt auf dem Spielfeld: Neben Mats Hummels, dessen Aufgabe das als Kapitän natürlich sowieso ist, und Marcel Schmelzer, bei dem mir das bereits in der vergangenen Saison zunehmend aufgefallen ist, scheint er sich gerade zu einem weiteren Anführer innerhalb der Mannschaft zu entwickeln.

Nach dem Weggang von Sebastian Kehl, der diese Rolle in allen Belangen mehr als hervorragend ausgefüllt hat, ist es vielleicht in der Beziehung Zeit für einen Generationswechsel. Noch ist Roman Weidenfeller, dessen Wort wohl auch immer (noch) Gewicht haben dürfte, noch da, aber wer weiß, wie lange noch. Zudem ist nicht klar, ob und wie oft er tatsächlich auf dem Platz stehen wird in dieser Saison. Also ein mehr als geeigneter Zeitpunkt, zu dem auch andere Spieler Teile dieser Aufgaben ausführen und insgesamt, auf und neben dem Platz, Verantwortung übernehmen können.

Wie es mannschaftsintern aussieht, was im Training und in der Kabine so abgeht, weiß ich natürlich (leider) nicht. Aber vor allem in den Spielen gegen den WAC und dabei vor allem auch im Rückspiel, ist mir in der Hinsicht Marco Reus aufgefallen. Er übernimmt Verantwortung, er dirigiert, kommuniziert mehr mit den Mitspielern, gibt Anweisungen, sucht auch den Kontakt zum Schiedsrichter.

Reus_66_06.08.15_Wolfsberg_RN-dpa© RN/dpa

Insgesamt scheint mir auch seine gesamte Körpersprache verbessert: Er scheint nicht mehr länger hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt zu sein, sondern hat auch einen Blick auf das Spielgeschehen und die Mitspieler – und damit meine ich nicht, im richtigen Moment den entscheidenden Pass zu spielen. Er wirkt selbstbewusster, hat öfter den Kopf oben, wirkt noch präsenter und das eben nicht nur als Spieler, sondern auch als Anführer, als Leader, wenn man so will.

Und auch neben dem Platz: In dem Interview, das er nach dem Spiel in der ARD gab, wirkte er auf mich fast ungewohnt reflektiert, ernsthaft, einfach selbstbewusst. Erwachsener. Reifer. Vielleicht macht das einfach das Alter, vielleicht fordert Tuchel das auch vermehrt ein oder es sind einfach auch Lehren, die man bzw. er aus der verkorksten und auch für ihn persönlich (im sportlichen wie privaten) beschissen gelaufenen letzten Saison zieht. Das kann ich alles nicht beurteilen, könnte ich mir aber vorstellen.

Mich freut das jedenfalls sehr und wenn ich sehe, wie er im Spiel Anweisungen gibt und wie er hinterher völlig gelassen beim Interview steht, dann mag ich ihn noch ein Stückchen mehr als sowieso schon. Und nach der Führerschein-Affäre, wo ich eine Zeitlang tatsächlich nur gedacht habe, wie blöd man eigentlich sein kann, wächst so auch wieder meine Anerkennung und mein Respekt.

In Hummels, Schmelle und Reus sind da jedenfalls drei Spieler auf dem Platz, die, jedenfalls nach den bisherigen Eindrücken aus der ja noch sehr jungen Saison, gemeinsam die Mannschaft führen und für sie einstehen. In den weiteren Kreis derjenigen würde ich außerdem auch Sven Bender zählen, der aber ja leider noch nicht zu so vielen Einsätzen gekommen ist; natürlich auch den bereits erwähnten Roman Weidenfeller; dazu auf jeden Fall, wenn er hoffentlich irgendwann bald wieder fit ist und zurück zur Mannschaft stößt, Nuri Sahin. Und auch ein Ilkay Gündogan kann sich in diese Richtung entwickeln. Der BVB mag noch so seine Probleme haben (*hust* Chancenverwertung *hust*) – ein „Leader-Problem“ hat er jedenfalls, auch nach dem Abgang von Sebastian Kehl, nicht.

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