Am Ende bleibt ein Fußballspiel

So groß war der Hype um das Spiel, Borussia Dortmund gegen den FC Liverpool. Zwei Vereine, vielleicht zwei Städte, die sich in ihrer Mentalität, ihrem Charakter, ihrem Selbstverständnis ähneln. Und über allem Jürgen Klopp, der zu seiner „alten Liebe“ nach Dortmund zurückkehrte. Schon seit er im Oktober den Trainerposten in Liverpool übernommen hatte, wurde darüber geredet, wie und wann er womöglich wieder auf den BVB trifft, nach der Auslosung des Viertelfinales der Europa League ging der Hype dann richtig los. Jürgen Klopp kommt nach Hause, Jürgen Klopp trifft auf seinen Nachfolger, zwei ehemalige Mainzer Trainer treffen aufeinander.

Klopp+Tuchel_1_07.04.16_BVB© Borussia Dortmund

Ich hatte es geschafft, die Medien und meine Fußball- und BVB-Twitter-Timeline in den letzten Tagen so weit zu meiden, dass ich gestern Abend große Lust auf das Spiel verspürte. Auch wegen Jürgen Klopp, den ich nach wie vor unheimlich sympathisch finde und der mir irgendwie noch immer „näher“ ist als Thomas Tuchel. Aber auch, weil es sich hier immerhin um ein Viertelfinale handelte, auch weil die letzten Heimspiele in der EL in Dortmund großartige Spiele waren, die viel Spaß gemacht haben.

Am Ende war das Aufeinandertreffen des BVB und des FC Liverpool, die Heimkehr von Jürgen Klopp, dann doch nur eins: Ein Fußballspiel. Und aus Sicht des BVB nicht einmal ein besonders gutes. Das 1:1 ist kein schlechtes Ergebnis, auch wenn es sich für Liverpool-Anhänger schöner anfühlen dürfte als für Dortmunder. Aber auf dem Rasen liefen dann doch einige schwarzgelbe herum, die sich nicht unbedingt in Bestform präsentierten. Erik Durm, Gonzalo Castro, auch Lukasz Piszczek zeigten nicht, was sie wirklich draufhatten, auch über Marcel Schmelzer ging weniger als sonst und Marco Reus, so leid es mir tut, ging mir einmal mehr auf die Nerven, weil er selbst keine guten Ideen entwickelte, sich aber alle naselang über Pfiffe und Entscheidungen des Schiedsrichters tierisch aufregte. Gewöhn‘ dir das doch bitte mal wieder ab!

A propos Schiedsrichter: Der passte zu dem „nicht so guten“ Spiel, bei dem er weder für den einen, noch für den anderen Verein pfiff, sondern einfach nur schlecht war. 5 gelbe Karten, alle verdient, dazu hätte es aber mindestens eine weitere geben müssen für Moreno:

Wer erwartet hat, dass der BVB Liverpool zerlegt, ist sicherlich von falschen Grundvoraussetzungen ausgegangen. Der LFC hat das sehr gut gemacht, hat früh gestört und kam zu einigen sehr guten Torchancen – Weidenfeller hatte jede Menge zu tun und hat seiner Mannschaft einige Male auf allerhöchstem Niveau den Ar*** gerettet. Umgekehrt ging der BVB mit den Chancen, die er hatte, zu schludrig um, erspielte sich aber auch mangels Kreativität und Ideen gar nicht erst so viele, dass man sich das wirklich hätte erlauben können.

Am Ende dieses Spiels, das also längst nicht so gut wie der Hype darum vorher groß war, steht also ein 1:1, mit dem für beide Teams noch alle Türen zum Halbfinale offen stehen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht: Im Achtelfinale gegen Tottenham und auch gegen Porto in der Zwischenrunde lieferte der BVB im Hinspiel zuhause überragende Leistungen ab, tat sich dann im Rückspiel auswärts aber zumindest zunächst etwas schwer – was ich mit einem 2:0 und einem 3:0 im Rücken irgendwo auch nachvollziehen kann. Nun bleibt die Spannung oben und es geht nächste Woche in Liverpool noch um genauso viel wie gestern. Der BVB hat noch alle Optionen, ein Sieg wäre optimal, mit einem weiteren 1:1 ginge es in die Verlängerung, bei einem 2:2 wären sie weiter. Also alle Voraussetzungen dafür da, dass das Spiel nächste Woche wieder mehr sportlich denn menschlich-emotional in den Vordergrund rückt und dass es auf dem Rasen ordentlich zur Sache gehen wird.

BVB_148_07.04.16_Liverpool_BVB© Borussia Dortmund

(Dass ich dennoch trotz allem kleine schwarz-gelbe Herzchen in den Augen hatte, als Klopp nach Abpfiff von Auba über Pulisic bis zu Nuri und Mats alle seine ehemaligen Spieler in den Arm genommen hat, ist ja wohl normal. Oder!?)

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