Schmerzhaft, aber verdient.

Helter Skelter

Eine Achterbahnfahrt war dieses Rückspiel gestern Abend. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle und am Ende stand der BVB unten und Liverpool irgendwo oben im siebten Himmel. Nach einem 1:1 im Hinspiel, nach dem denkbar besten Start und einer 0:2-Führung nach 10 Minuten, nach einer 1:3-Führung  nach knapp 60 Minuten: Bei einem solchen Spielverlauf darfst du das Spiel nicht mehr aus der Hand geben. Punkt.

BVB_150_14.04.16_Liverpool_BVB© Borussia Dortmund

Der BVB ist raus aus der Europa League, er ist mit Anlauf und mit viel Leidenschaft vom LFC hinausgeworfen worden. „Wir haben das Spiel hergeschenkt“, sagte Mats Hummels unmittelbar danach und das ist wohl die einfachste und zugleich treffendste Beschreibung für das, was nach dem 1:3 passiert ist.

You Can’t Do That

Liverpool konnte. Und der BVB konnte oder wollte nicht mehr. Das Spiel war unglaublich spannend und für unbeteiligte Zuschauer sicher ein Genuss. Ich muss sagen, bis zum 3:3-Ausgleich war ich auch noch sehr entspannt. Aber als selbst da der BVB nicht zeigte, dass er das Spiel in den letzten paar Minuten noch einmal kontrollieren und das Ding nach Hause spielen wollte, da wurde ich dann doch auch ein wenig nervös. Zurecht.

Drei Auswärtstore, eins schöner als das andere. Eine schnelle Antwort auf den Anschlusstreffer von Liverpool kurz nach der Pause, mit einem absolut zuckrigen Traumpass von Hummels auf Reus. Eine wacklige Defensive machte das zunichte, zwei Gegentore nach Standards offenbarten eine große Unordnung im Dortmunder Strafraum. Vier Schüsse bekam Roman Weidenfeller in der 2. Halbzeit auf sein Tor, alle vier waren drin. Das ist deutlich. Deutlich zu schlecht für den Anspruch, in Basel im Finale der Europa League um den letzten noch fehlenden Titel kämpfen zu wollen.

Genau das, muss ich sagen, macht es mir aber vergleichsweise leicht, diese Niederlage zu akzeptieren und zu verschmerzen. Es tut gar nicht so sehr weh. Ein Ausscheiden im Halbfinale, ein verlorenes Finale hätte ich als deutlich schmerzhafter empfunden. Die Niederlage gestern war am Ende dann doch so klar und so verdient, dass ich das Spiel eigentlich schon längst abgehakt habe. Und ja, auch wenn ich damit vielleicht allein dastehe: Dass es Klopp war, der den BVB besiegt hat, dass es Klopp ist, der durch des BVBs Niederlage jetzt eine Runde weiter kommt, trägt auch dazu bei, dass es weniger weh tut.

I Should Have Known Better

Borussia Dortmund kennt solche Spiele wie gestern Abend. Allerdings häufig aus einer anderen Perspektive. Man wusste (und man hätte vielleicht besser darauf vorbereitet sein können), dass eine Mannschaft unter Klopp immer die Fähigkeit und die Qualität besitzt, in den letzten Spielminuten noch einmal alles zu mobilisieren und die entscheidenden Treffer zu erzielen. Gegen Málaga hat Borussia Dortmund davon profitiert. Gestern Abend war es der Gegner des BVB, der bewiesen hat, dass auch er unter Klopp in der Lage ist, sich solche Momente zu erarbeiten. Vielleicht hat der BVB mit dem Weggang von Klopp auch diese Fähigkeit in Teilen eingebüßt.

Thomas Tuchel ist ein anderer Trainer, der einen anderen Plan verfolgt. Ich will mich jetzt ganz sicher nicht in die Reihen der bereits viel zu zahlreich bestehenden Kritiker einreihen. Ich möchte lediglich sagen, was ich glaube: Dass Klopp keine solche Rotation vorgenommen hätte wie Tuchel vor dem Derby, um Spieler für ein danach anstehendes Spiel fit zu halten. Und dass Klopp mit seiner Energie und seinem Verhalten am Seitenrand, auch wenn man es vielleicht übertrieben finden mag, seine Mannschaft oft noch einmal anspornen und pushen kann und dass diese Fähigkeit Tuchel vielleicht fehlt.

Tuchel ist ein herausragender Trainer auf andere Weise. Woran die Niederlage gestern letztlich lag, ob an der Mentalität, am „Kopf“, oder ob am Ende einfach vielleicht auch wirklich die Luft raus war, wird man wohl nicht endgültig klären können. Dieses Spiel, die Niederlage und das Ausscheiden aus der EL ändert allerdings nichts daran, dass diese Saison bis hierhin unglaublich gut und erfolgreich war, wenn man gewillt ist, auch einen „einfachen“ Sieg in der Liga, viele Tore und eine attraktive Spielweise als Erfolg zu zählen. Der EL-Titel wäre die Krönung gewesen – aber die hat sich der BVB gestern selbst verbaut.

BVB_149_14.04.16_Liverpool_BVB© Borussia Dortmund

I’m Down

Es muss im Sport auch Niederlagen und Verlierer geben. Nach 09 Minuten hätte gestern wohl keiner geglaubt, dass es am Ende Borussia Dortmund ist, die ganz unten stehen werden. Aber noch einmal: Es war ganz viel eigene Schuld dabei und am Ende war es verdient. Ich hoffe einfach, dass dieses Spiel ganz schnell aufgearbeitet wird und dass sich alle jetzt noch einmal richtig zusammenreißen, um die letzten jetzt noch verbliebenen Spiele erfolgreich zu gestalten und statt dem EL-Titel vielleicht wenigstens in Berlin den Pott zu holen.

Ärgerlich, enttäuschend, schmerzhaft. Aber selbst eingebrockt. Und für solche Aussagen liebe ich Thomas Tuchel dann ja doch auch ein bisschen: „We couldn’t win it like champions, so let’s behave like champions.“

PS: Liverpool ist trotz allem eine schöne Stadt. Und Liverpool ist natürlich die Beatles-Stadt. Mit Fußball hatten die zwar nur wenig am Hut, aber zumindest die Titel einiger Songs passen doch ganz gut, weswegen ich sie als Zwischenüberschriften verwendet habe. Wer reinhören mag, folgt den Links. Auf „I’m A Loser“ habe ich einfach mal verzichtet ;-)

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