Das Ziel ist das Problem

Mats Hummels, seit acht Jahren Stamm-Innenverteidiger und inzwischen auch Kapitän von Borussia Dortmund, möchte nach der Saison zum FC Bayern München wechseln. Das hat der BVB heute mitgeteilt. Nun kann man (leider) nicht sagen, dass das sonderlich überraschend kommt. Dass er eine Entscheidung zu treffen hat und sich die nicht leicht macht, darüber spricht Hummels schon seit Wochen. Immer mehr Gründe sprachen dafür, dass sein neuer Wunsch-Verein die Bayern sind. So ganz glauben wollte ich es dennoch nicht, nun steht es fest.

Ich finde das traurig. Aber ich finde es nicht nur traurig, so wie ich Kehls Abschied oder Kubas Ausleihe einfach nur traurig fand, weil der BVB mit diesen Spielern  auch unglaublich tolle Menschen verloren hat. Denn seit ich offiziell weiß, dass es Hummels‘ Wunsch ist, nach München zu wechseln, weiß ich nicht mehr, ob er tatsächlich auch so ein toller Mensch ist, wie ich bisher immer dachte. Und ich bin nicht nur traurig, sondern vor allem enttäuscht und wütend.

Hummels_20_05.12.14_vs Hoffenheim© Borussia Dortmund

Das Problem ist nicht der Wechsel an sich. Er hat schon vor der Saison davon gesprochen, dass er sich mit einem potentiellen Wechsel beschäftigt, dass dieser, wenn überhaupt, 2016 stattfinden soll, dass es vielleicht seine letzte Chance ist, noch einmal einen anderen Verein kennenzulernen, noch einmal neu anzufangen. Das ist alles richtig und war für mich auch immer nachvollziehbar. Würde Hummels jetzt sagen, danke für die geile Zeit in Dortmund, aber ich suche jetzt die Herausforderung im Ausland und wechsle in die spanische oder englische Liga, dann würde ich sagen, schade, traurig, aber kann ich verstehen, danke für alles.

Aber er sucht nicht die Herausforderung im Ausland. Er wählt die Bayern. Seine Heimatstadt, ja. Aber eben auch jede Menge Geld. Und Titel. Er geht zu einem Verein, wo alles unter dem Triple eigentlich nicht als Erfolg gewertet wird. Zu dem Verein, der quasi ein Abo auf die Deutsche Meisterschaft hat und bei dem sich wohl alle schwarz ärgern, dass sie den Ligabetrieb in dieser Saison nicht schon vor dem 30. Spieltag als erledigt abhaken konnten. Das ist derselbe Mann, der sich noch vor nicht allzu langer Zeit als Fußballromantiker bezeichnete. Der Mario Götzes Wechsel zu den Bayern überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Der mal sinngemäß sagte, einige wenige, besondere Titel mit dem BVB seien ihm wichtiger, als Jahr für Jahr Trophäen, Titel und Pokale einzufahren. Dieser Mann wechselt jetzt – nach dieser Saison, in der die Chance auf Titel zumindest gefühlt deutlich größer war, nach der Saison, in der der BVB die Bayern in der Liga zumindest ansatzweise ein wenig mehr ärgern und ihnen etwas näher auf die Pelle rücken konnten als die Jahre zuvor – zu den Bayern. Zu dem Verein, bei dem Trophäen, Titel und Pokale wie am Fließband gesammelt werden.

Hummels_32_07.05.15

Und vielleicht bin ich zu naiv und ein zu großer Fußballromantiker, dass mich das so sehr berührt. Dass es mich traurig macht, vor allem aber enttäuscht und wütend. Immer wieder hat Hummels, sehr ausführlich in seinem Interview mit Frank Buschmann im Herbst, betont, dass es ihm wichtig sei, dass alles offen und ehrlich ablaufe – das immerhin hat er hinbekommen – und dass keine früheren Aussagen von ihm auf ihn zurückfallen sollen. Nun, er hat sich nie hingestellt und gesagt, er bleibe für immer in Dortmund. Aber er hat Aussagen getroffen, wie die indirekt oben zitierte, die einen Wechsel ausgerechnet zu den Bayern doch sehr unwahrscheinlich erscheinen ließen.

Und jetzt? Mats Hummels ist ein unglaublicher Fußballer und Innenverteidiger, den ich sportlich sehr schätze und auch menschlich sehr mochte. Imperfekt. Im Moment muss ich stark an mich halten, um ihn nicht auf den Mond zu wünschen und ihm ein trotziges „dann geh halt, wenn du glaubst, dass du bei den Bayern glücklich wirst“ hinterherzurufen. Heimatstadt hin, Cathy Hummels Fischer her: Diesen Wechsel – und er wird kommen, die Bayern werden dem BVB sicher ein „entsprechendes, äußerst werthaltiges Angebot“ unterbreiten, vermutlich könnten die sich drei Mats Hummels‘ leisten – kann ich, vor allem in Anbetracht seiner in der Vergangenheit getroffenen Aussagen, nicht nachvollziehen und will ich nicht gutheißen.

BVB_149_14.04.16_Liverpool_BVB© Borussia Dortmund

Von Legenden zu sprechen, ist mir eigentlich ein wenig zu pathetisch. Dass Hummels nun keine mehr werden wird, ist aber wohl ein Fakt. Dann ist der Weg jetzt frei für Marcel Schmelzer, Sven Bender, Roman Weidenfeller oder meinetwegen auch Marco Reus.

Hummels_39_04.07.15_BVB© Borussia Dortmund

Tschüß, Mats.

Schmerzhaft, aber verdient.

Helter Skelter

Eine Achterbahnfahrt war dieses Rückspiel gestern Abend. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle und am Ende stand der BVB unten und Liverpool irgendwo oben im siebten Himmel. Nach einem 1:1 im Hinspiel, nach dem denkbar besten Start und einer 0:2-Führung nach 10 Minuten, nach einer 1:3-Führung  nach knapp 60 Minuten: Bei einem solchen Spielverlauf darfst du das Spiel nicht mehr aus der Hand geben. Punkt.

BVB_150_14.04.16_Liverpool_BVB© Borussia Dortmund

Der BVB ist raus aus der Europa League, er ist mit Anlauf und mit viel Leidenschaft vom LFC hinausgeworfen worden. „Wir haben das Spiel hergeschenkt“, sagte Mats Hummels unmittelbar danach und das ist wohl die einfachste und zugleich treffendste Beschreibung für das, was nach dem 1:3 passiert ist.

You Can’t Do That

Liverpool konnte. Und der BVB konnte oder wollte nicht mehr. Das Spiel war unglaublich spannend und für unbeteiligte Zuschauer sicher ein Genuss. Ich muss sagen, bis zum 3:3-Ausgleich war ich auch noch sehr entspannt. Aber als selbst da der BVB nicht zeigte, dass er das Spiel in den letzten paar Minuten noch einmal kontrollieren und das Ding nach Hause spielen wollte, da wurde ich dann doch auch ein wenig nervös. Zurecht.

Drei Auswärtstore, eins schöner als das andere. Eine schnelle Antwort auf den Anschlusstreffer von Liverpool kurz nach der Pause, mit einem absolut zuckrigen Traumpass von Hummels auf Reus. Eine wacklige Defensive machte das zunichte, zwei Gegentore nach Standards offenbarten eine große Unordnung im Dortmunder Strafraum. Vier Schüsse bekam Roman Weidenfeller in der 2. Halbzeit auf sein Tor, alle vier waren drin. Das ist deutlich. Deutlich zu schlecht für den Anspruch, in Basel im Finale der Europa League um den letzten noch fehlenden Titel kämpfen zu wollen.

Genau das, muss ich sagen, macht es mir aber vergleichsweise leicht, diese Niederlage zu akzeptieren und zu verschmerzen. Es tut gar nicht so sehr weh. Ein Ausscheiden im Halbfinale, ein verlorenes Finale hätte ich als deutlich schmerzhafter empfunden. Die Niederlage gestern war am Ende dann doch so klar und so verdient, dass ich das Spiel eigentlich schon längst abgehakt habe. Und ja, auch wenn ich damit vielleicht allein dastehe: Dass es Klopp war, der den BVB besiegt hat, dass es Klopp ist, der durch des BVBs Niederlage jetzt eine Runde weiter kommt, trägt auch dazu bei, dass es weniger weh tut.

I Should Have Known Better

Borussia Dortmund kennt solche Spiele wie gestern Abend. Allerdings häufig aus einer anderen Perspektive. Man wusste (und man hätte vielleicht besser darauf vorbereitet sein können), dass eine Mannschaft unter Klopp immer die Fähigkeit und die Qualität besitzt, in den letzten Spielminuten noch einmal alles zu mobilisieren und die entscheidenden Treffer zu erzielen. Gegen Málaga hat Borussia Dortmund davon profitiert. Gestern Abend war es der Gegner des BVB, der bewiesen hat, dass auch er unter Klopp in der Lage ist, sich solche Momente zu erarbeiten. Vielleicht hat der BVB mit dem Weggang von Klopp auch diese Fähigkeit in Teilen eingebüßt.

Thomas Tuchel ist ein anderer Trainer, der einen anderen Plan verfolgt. Ich will mich jetzt ganz sicher nicht in die Reihen der bereits viel zu zahlreich bestehenden Kritiker einreihen. Ich möchte lediglich sagen, was ich glaube: Dass Klopp keine solche Rotation vorgenommen hätte wie Tuchel vor dem Derby, um Spieler für ein danach anstehendes Spiel fit zu halten. Und dass Klopp mit seiner Energie und seinem Verhalten am Seitenrand, auch wenn man es vielleicht übertrieben finden mag, seine Mannschaft oft noch einmal anspornen und pushen kann und dass diese Fähigkeit Tuchel vielleicht fehlt.

Tuchel ist ein herausragender Trainer auf andere Weise. Woran die Niederlage gestern letztlich lag, ob an der Mentalität, am „Kopf“, oder ob am Ende einfach vielleicht auch wirklich die Luft raus war, wird man wohl nicht endgültig klären können. Dieses Spiel, die Niederlage und das Ausscheiden aus der EL ändert allerdings nichts daran, dass diese Saison bis hierhin unglaublich gut und erfolgreich war, wenn man gewillt ist, auch einen „einfachen“ Sieg in der Liga, viele Tore und eine attraktive Spielweise als Erfolg zu zählen. Der EL-Titel wäre die Krönung gewesen – aber die hat sich der BVB gestern selbst verbaut.

BVB_149_14.04.16_Liverpool_BVB© Borussia Dortmund

I’m Down

Es muss im Sport auch Niederlagen und Verlierer geben. Nach 09 Minuten hätte gestern wohl keiner geglaubt, dass es am Ende Borussia Dortmund ist, die ganz unten stehen werden. Aber noch einmal: Es war ganz viel eigene Schuld dabei und am Ende war es verdient. Ich hoffe einfach, dass dieses Spiel ganz schnell aufgearbeitet wird und dass sich alle jetzt noch einmal richtig zusammenreißen, um die letzten jetzt noch verbliebenen Spiele erfolgreich zu gestalten und statt dem EL-Titel vielleicht wenigstens in Berlin den Pott zu holen.

Ärgerlich, enttäuschend, schmerzhaft. Aber selbst eingebrockt. Und für solche Aussagen liebe ich Thomas Tuchel dann ja doch auch ein bisschen: „We couldn’t win it like champions, so let’s behave like champions.“

PS: Liverpool ist trotz allem eine schöne Stadt. Und Liverpool ist natürlich die Beatles-Stadt. Mit Fußball hatten die zwar nur wenig am Hut, aber zumindest die Titel einiger Songs passen doch ganz gut, weswegen ich sie als Zwischenüberschriften verwendet habe. Wer reinhören mag, folgt den Links. Auf „I’m A Loser“ habe ich einfach mal verzichtet ;-)

Am Ende bleibt ein Fußballspiel

So groß war der Hype um das Spiel, Borussia Dortmund gegen den FC Liverpool. Zwei Vereine, vielleicht zwei Städte, die sich in ihrer Mentalität, ihrem Charakter, ihrem Selbstverständnis ähneln. Und über allem Jürgen Klopp, der zu seiner „alten Liebe“ nach Dortmund zurückkehrte. Schon seit er im Oktober den Trainerposten in Liverpool übernommen hatte, wurde darüber geredet, wie und wann er womöglich wieder auf den BVB trifft, nach der Auslosung des Viertelfinales der Europa League ging der Hype dann richtig los. Jürgen Klopp kommt nach Hause, Jürgen Klopp trifft auf seinen Nachfolger, zwei ehemalige Mainzer Trainer treffen aufeinander.

Klopp+Tuchel_1_07.04.16_BVB© Borussia Dortmund

Ich hatte es geschafft, die Medien und meine Fußball- und BVB-Twitter-Timeline in den letzten Tagen so weit zu meiden, dass ich gestern Abend große Lust auf das Spiel verspürte. Auch wegen Jürgen Klopp, den ich nach wie vor unheimlich sympathisch finde und der mir irgendwie noch immer „näher“ ist als Thomas Tuchel. Aber auch, weil es sich hier immerhin um ein Viertelfinale handelte, auch weil die letzten Heimspiele in der EL in Dortmund großartige Spiele waren, die viel Spaß gemacht haben.

Am Ende war das Aufeinandertreffen des BVB und des FC Liverpool, die Heimkehr von Jürgen Klopp, dann doch nur eins: Ein Fußballspiel. Und aus Sicht des BVB nicht einmal ein besonders gutes. Das 1:1 ist kein schlechtes Ergebnis, auch wenn es sich für Liverpool-Anhänger schöner anfühlen dürfte als für Dortmunder. Aber auf dem Rasen liefen dann doch einige schwarzgelbe herum, die sich nicht unbedingt in Bestform präsentierten. Erik Durm, Gonzalo Castro, auch Lukasz Piszczek zeigten nicht, was sie wirklich draufhatten, auch über Marcel Schmelzer ging weniger als sonst und Marco Reus, so leid es mir tut, ging mir einmal mehr auf die Nerven, weil er selbst keine guten Ideen entwickelte, sich aber alle naselang über Pfiffe und Entscheidungen des Schiedsrichters tierisch aufregte. Gewöhn‘ dir das doch bitte mal wieder ab!

A propos Schiedsrichter: Der passte zu dem „nicht so guten“ Spiel, bei dem er weder für den einen, noch für den anderen Verein pfiff, sondern einfach nur schlecht war. 5 gelbe Karten, alle verdient, dazu hätte es aber mindestens eine weitere geben müssen für Moreno:

Wer erwartet hat, dass der BVB Liverpool zerlegt, ist sicherlich von falschen Grundvoraussetzungen ausgegangen. Der LFC hat das sehr gut gemacht, hat früh gestört und kam zu einigen sehr guten Torchancen – Weidenfeller hatte jede Menge zu tun und hat seiner Mannschaft einige Male auf allerhöchstem Niveau den Ar*** gerettet. Umgekehrt ging der BVB mit den Chancen, die er hatte, zu schludrig um, erspielte sich aber auch mangels Kreativität und Ideen gar nicht erst so viele, dass man sich das wirklich hätte erlauben können.

Am Ende dieses Spiels, das also längst nicht so gut wie der Hype darum vorher groß war, steht also ein 1:1, mit dem für beide Teams noch alle Türen zum Halbfinale offen stehen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht: Im Achtelfinale gegen Tottenham und auch gegen Porto in der Zwischenrunde lieferte der BVB im Hinspiel zuhause überragende Leistungen ab, tat sich dann im Rückspiel auswärts aber zumindest zunächst etwas schwer – was ich mit einem 2:0 und einem 3:0 im Rücken irgendwo auch nachvollziehen kann. Nun bleibt die Spannung oben und es geht nächste Woche in Liverpool noch um genauso viel wie gestern. Der BVB hat noch alle Optionen, ein Sieg wäre optimal, mit einem weiteren 1:1 ginge es in die Verlängerung, bei einem 2:2 wären sie weiter. Also alle Voraussetzungen dafür da, dass das Spiel nächste Woche wieder mehr sportlich denn menschlich-emotional in den Vordergrund rückt und dass es auf dem Rasen ordentlich zur Sache gehen wird.

BVB_148_07.04.16_Liverpool_BVB© Borussia Dortmund

(Dass ich dennoch trotz allem kleine schwarz-gelbe Herzchen in den Augen hatte, als Klopp nach Abpfiff von Auba über Pulisic bis zu Nuri und Mats alle seine ehemaligen Spieler in den Arm genommen hat, ist ja wohl normal. Oder!?)

Keine Chance auf Privatsphäre, keine Unterstützung vom Verein

Eins vorab: Mich macht diese Sache so unglaublich wütend, dass ich einfach mal Luft ablassen muss – und das gerne in einem Stück und nicht 20 x 140 Zeichen-Häppchen ;-) (Und weil ich den Text auf dem anderen Rechner „vergessen“ hatte, kommt er erst jetzt).
Es hat zwar wenig bis gar nichts mit dem BVB zu tun, aber ab und an muss ich hier auch mal Ausflüge in die nicht-schwarzgelbe Welt des Fußballs machen.

Ich bin kein großer Fan oder Freund von Max Kruse. Er ist Wolfsburger, vorher war er Gladbacher (die bei manchen BVB-Fans gleich nach den Nachbarn aus Gelsenkirchen kommen – ich find die Fohlen jetzt nicht so schlimm) – im Grunde stehe ich ihm recht neutral gegenüber, aber in der aktuellen Situation tut er mir einfach nur noch Leid.

Er hat 75 000 Euro in einem Taxi verloren? Auch wenn der Vorfall jetzt schon ein paar Wochen zurückliegt, ich versteh’s noch immer nicht. Ich frage mich ehrlich, wen außer Max Kruse selbst das irgendetwas angeht. Klassischer Fall von ‚dumm gelaufen‘ oder ‚selbst schuld‘. Dass er pokert, ist doch nun schon hinlänglich bekannt – Gladbach hatte kein Problem mit seinem Auftritt bei Stefan Raabs Pokernacht. Und dass auch ein Fußballprofi nicht jeden Abend um 21 Uhr im Bett liegt und vielleicht mal an einem freien Wochenende nachts in Berlin unterwegs ist – who cares? Auch ein wer weiß wie gut bezahlter Fußballer hat ein Recht auf Freizeit und Hobbys.

Er isst zu viel Nutella? Ehrlich? Okay, dann hab ich wohl keine Chance mehr auf eine Fußballkarriere. Im Ernst: Er wird sich wohl nicht ausschließlich davon ernähren, dann sähe er wohl auch anders aus. Und wenn man dann mit der „Vorbildfunktion“ argumentiert, die vor allem ein gewisser Herr Löw (dazu später noch mehr) so gerne heranzieht: Vielleicht sollte man dann als erstes mal überlegen, ob es wirklich so sinnvoll ist, Profisportler (!) Werbung für Nutella (!), Chips (!) und Bier (!) machen zu lassen. Auf der einen Seite dafür zu werben, auf der anderen den Konsum dessen zu verteufeln, ist jedenfalls mehr als heuchlerisch.

Er feiert Geburtstag, an einem Wochenende nachts mit Freunden in einem Club, will sich dabei nicht von Wildfremden mit dem Handy fotografieren lassen und löscht die entsprechenden Bilder auf dem Handy der Fremden? Okay, da muss man vielleicht ein wenig mehr differenzieren. Zunächst: Jemandem das Handy aus der Hand zu reißen und Fotos zu löschen, auch wenn sie ohne das eigene Einverständnis gemacht wurden, ist nicht so prickelnd. Wie genau das rechtlich ist, kann ich nicht beurteilen, aber unglücklich gelöst war es allemal. Ein Fehler. Kann passieren. Aber es ist niemand dabei verletzt worden. Und irgendwie kann man es doch auch verstehen. Auch ein wer weiß wie gut bezahlter Fußballer hat ein Recht auf Freizeit – und vor allem Privatsphäre! Dass eine BILD-Reporterin sich das Recht herausnimmt, von einer privaten Feier, auf die sie zufällig (oder auch nicht?) gestoßen ist, Fotos zu machen und daraus eine Story zu konstruieren – denn Erinnerungsfotos waren das mit Sicherheit nicht – finde ich, ehrlich gesagt, sehr viel verwerflicher, als sich genau dagegen zu wehren. Allein über diesen Punkt könnte ich noch drei weitere Absätze schreiben, aber das geht dann schon sehr in Richtung Journalismus- und Medienkritik.

Das könnte ja alles noch irgendwie halbwegs lustig sein, diese Vorwürfe – wenn nicht Kruse von Verein und vom DFB fallen gelassen würde wie eine heiße Kartoffel. Für das Verlieren des Geldes gab es vom VfL Wolfsburg eine Geldstrafe – nochmal: Das ist seine private Angelegenheit und sein persönliches Pech! Für die Situation mit der Reporterin am Wochenende gab es eine erneute Geldstrafe, harte Worte in der Öffentlichkeit und schließlich von Löw den Rausschmiss aus dem Nationalelf-Kader für die beiden bevorstehenden Test-Länderspiele. Er habe sich wiederholt unprofessionell verhalten und das akzeptiere er nicht, erklärte Löw. Er brauche fokussierte und konzentrierte Spieler, die sich ihrer „Vorbildrolle“ bewusst seien. Und Medien wie natürlich die BILD und auch der Kicker (in Form seines Chefredakteurs Karlheinz Wild) mischen munter und „kommentieren“, Löw habe gar keine andere Wahl gehabt.

Das ist so himmelschreiend dämlich und ungerecht und falsch, dass mir dazu eigentlich gar nichts einfällt. Eigentlich ist Löws Ansehen bei mir schon so weit in den Keller gefallen, dass ich nicht dachte, dass es noch tiefer sinken könnte. Es konnte. Nicht nur ist seine Personalpolitik an sich schon fragwürdig (man betrachte nur den Kader für die Testspiele), nein, es wird auch mit zweierlei Maß gemessen. Großkreutz durfte nach Vorfällen, die ich persönlich als „schlimmer“ empfinde, mit zur WM fahren, Reus war jahrelang ohne Führerschein unterwegs und noch immer gut gelitten bei Löw, Podolski ohrfeigte einst seinen Kapitän Michael Ballack auf dem Spielfeld und wird bald zehn Jahre später noch immer zu jedem Spiel eingeladen. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass Großkreutz, Reus und Podolski auch hätten rausfliegen sollen, sondern vielmehr, dass Kruse das nicht verdient hat. Aber da geht es zurück zu Löws Personalpolitik: Die basiert eben doch nicht so sehr auf Leistung und ist nicht objektiv genug, um Verfehlungen maßvoll einzuordnen und zu „bestrafen“.

Das war am Montag. Am Montagabend tauchte dann ein Video auf, das mir glücklicherweise noch nicht unter die Augen gekommen ist, in dem Kruse eindeutig zu erkennen und bei sexuellen Handlungen zu sehen sein soll. Und man kann sich des Eindrucks nicht mehr erwehren, dass jemand ganz gewaltig etwas gegen Kruse hat und dieser Jemand entweder in den Redaktionen von BILD und Konsorten sitzt oder gute Connections dahin hat. Wie das Video in’s Netz gekommen ist, ist (noch) nicht klar, aber ich halte Kruse für zu intelligent, um es selbst verbreitet zu haben – zumal zu diesem Zeitpunkt, wo seine Karriere, sein Ansehen, sein Ruf gerade sowieso steil den Bach runter gehen.

Das hat schon sehr viel von einer gezielten Kampagne, von Rufschädigung oder schlicht Mobbing. Und wenn man die Erklärung vom VfL Wolfsburg liest, käme ich mir an Kruses Stelle mächtig verarscht vor, denn die ist nicht viel mehr als ein schlecht verpacktes „am liebsten würden wir ihn auf der Stelle loswerden, aber wir können es uns nicht leisten, noch einen Spieler zu suspendieren, also krieg gefälligst dein Leben in den Griff“.

Ich muss sagen, ich bin wirklich gespannt, ob das jetzt schon alles war. Und Max Kruse, auch wenn ich nie viel für ihn übrig hatte, tut mir einfach Leid. Privatsphäre mit Füßen getreten, scheinbar irgendwo einen „mächtigen Feind“ und keine Rückendeckung oder Unterstützung durch den eigenen Verein (wie man solche Fälle besser löst, hat der BVB in den Causas Großkreutz und Reus bewiesen).

So viel Spaß!

Anders kann man es nicht sagen: Der BVB macht im Moment einfach unglaublich viel Spaß. Die Bilanz der Rückrunde bisher ist geradezu perfekt. Thomas Tuchel rotiert immer wieder sanft und es ist nahezu egal, wer auf dem Feld steht, die Mannschaft hat eine riesige Qualität. Alle strahlen ein gesundes Selbstbewusstsein und eine riesengroße Spielfreude aus. Es gibt sehr, sehr schönen Fußball zu sehen und manchmal – wie heute – auch weniger schönen, aber am Ende stimmt immer das Resultat.

BVB_146_20.03.16_Augsburg_BVB© Borussia Dortmund

Der BVB hat in der Regel viel Ballbesitz und es gibt immer wieder Spiele, wo man (zunächst) den Eindruck hat, sie wissen nicht allzu viel damit anzufangen. Daraus könnte der Eindruck entstehen, dass sie spielerisch gegenüber der Hinrunde eingebüßt haben, weil nicht mehr alle Spiele mit Glanz und Gloria gewonnen werden. Gerade zu Beginn der Hinrunde waren doch einige Arbeitssiege dabei, weil auch die Gegner sich auf den BVB eingestellt haben: Gegen Leverkusen, Hoffenheim oder Darmstadt kann man wohl schwerlich spielerische Glanzleistungen erwarten.

Auch gestern gegen Augsburg war es lange sehr, sehr zäh: Aber dann kommen Ideen und Momente wie das 1:1 und das 1:2 und man weiß plötzlich wieder, warum man sich auch dieses Spiel „antut“.

BVB_147_20.03.16_Augsburg_BVB© Borussia Dortmund

Ich war lange skeptisch gegenüber Tuchel und muss ehrlich sagen, menschlich bin ich immer noch nicht so ganz warm geworden mit ihm. Aber was er mit dem BVB gemacht hat, wohin er diese Mannschaft geführt ist, ist absolut unglaublich! Sie liefern einfach ab, Spiel für Spiel. Und das mit einem relativ kleinen Kader und gefühlt so wenig Verletzungen wie seit Jahren nicht mehr!

Die Mentalität ist unglaublich, die Spielfreude und, den Eindruck bekommt man jedenfalls, auch die Stimmung unter den Spielern. Das wirkt schon oft, als seien sie eigentlich einfach eine große Familie. Jeder gibt sein Bestes, (fast) jeder bekommt seine Chancen – und egal, welche Startelf Tuchel wählt, die Qualität ist fast gleichbleibend hoch. Und irgendwie macht es auch Spaß zu überlegen, in welcher Formation Tuchel diese elf Mann wohl auf den Platz schicken wird, ist es auch schön, von Aufstellungen immer wieder überrascht zu werden.

Und neben dem Kollektiv die Einzelleistungen: Aubameyang, die Tormaschine, Mkhitaryan, der „Fehleinkauf“ – ich bin so froh, dass ich schon immer #TeamMkhitaryan war. Weigl, der einfach weiterhin so gut und konstant spielt, als täte er das schon seit Jahren auf Bundesliga-Niveau. Gündogan, der gerne, gerne, gerne seinen Vertrag verlängern darf, meinetwegen auch wieder „nur“ um ein weiteres Jahr. Sahin, der endlich wieder zurück ist und dem man kaum anmerkt, dass er verletzungsbedingt fast ein Jahr draußen war. Leitner ist wieder ganz nah an’s Team gerückt, was mich unglaublich für ihn freut, ebenso Bender. Ramos, der gestern über eine Stunde abgetaucht war und dann plötzlich das  Spiel fast im Alleingang entscheidet. Unfassbar offensiv ausgerichtete Außenverteidiger, vor allem Schmelzer (es schreit zum Himmel, dass er wieder nicht (!) in die Nationalelf eingeladen wurde), aber auch Piszczek auf der anderen Seite, oder Durm. Überhaupt Durm, der plötzlich irgendwie überall spielen kann und überall mehr als überzeugt (und ebenfalls nicht in’s Nationalteam berufen wurde). In der Innenverteidigung Sokratis und Hummels – wobei ich mir bei Hummels nicht sicher bin, ob man das noch Innenverteidiger nennen kann. Der Mann scheint manchmal überall zu sein, macht hinten den Laden dicht und läuft dann wieder bis kurz vor den gegnerischen Strafraum, als sei es das Normalste der Welt. Und dahinter zwei ganz starke Torhüter – nur 3 Gegentore in der Liga und eins in der EL in diesem Jahr sind auch ihr Verdienst!

BVB_145_20.03.16_Augsburg_BVB© Borussia Dortmund

Kurz: Es macht unglaublich viel Spaß, dieser Mannschaft beim Fußballspielen zuzuschauen und es ist so verdammt schade, dass die zum jetzigen Zeitpunkt beste Rückrundenmannschaft, ungeschlagen und mit einem Torverhältnis von 17:3 nach 10 Spielen wohl nur noch sehr geringe Chancen auf die Meisterschaft hat. Ich will nicht sagen, Titel sind alles – aber letztlich sind Titel das, woran man sich auch in 10 Jahren noch erinnern wird und ich wüsste keinen einzigen Grund, warum dieser BVB nicht den DFB-Pokal und die EL gewinnen können sollte – Bescheidenheit und Demut, wie Tuchel es immer wieder predigt, in allen Ehren. Es spricht Bände, dass sowohl die Jungs auf dem Feld als auch ich vor dem Bildschirm selbst bei Spielen wie gestern und Rückständen so ruhig bleiben.

Ist das der beste BVB der letzten Jahre? Ich weiß es nicht – was die Mannschaft unter Klopp in den Meisterjahren abgeliefert hat, war jetzt auch nicht so schlecht. Die Mannschaft jetzt ist definitiv erwachsener, reifer, sie spielen eine andere Art von Fußball, die vielleicht einfach nicht mit der von damals zu vergleichen ist. Am schönsten ist doch, dass der Kern der Mannschaft im Grunde immer noch derselbe ist: Dass dort Spieler sind, die seit 5, 6, 7 Jahren (mit Unterbrechungen) beim BVB sind, die sich beim BVB so großartig entwickelt haben – und die bitte gefälligst flott einen neuen Vertrag unterschreiben sollen. Hummels, Schmelzer, Leitner, Mkhitaryan – ihr wisst, was zu tun ist!

Einwurf #1

Ich war wohl nicht die einzige, die gestern laut gejubelt hat, als sie den Namen Nuri Sahin in der Aufstellung des BVB für das Hinspiel gegen den FC Porto gelesen hat. Nach mehr als 300 Tagen stand Nuri endlich wieder auf dem Platz, ohne jede Vorwarnung direkt in der Startelf. Mein Grinsen war ähnlich breit wie das von Nuri.

Sahin_14_18.02.16_BVBFCP_BVB© Borussia Dortmund

Und dann hat er seine Sache auch noch auf Anhieb so perfekt gemacht. Sehr ballsicher, viele gute Passe, sehr präsent und direkt tonangebend – der BVB hat einen weiteren Leader (zurück). Und ich wusste gar nicht, wie sehr ich Nuri tatsächlich vermisst habe, bis ich ihn wieder auf dem Spielfeld gesehen habe.

Hummels+Sahin+Sokratis_1_18.02.16_BVBFCP_BVB© Borussia Dortmund

Samstag gab es im Übrigen schon einen so ähnlichen Moment: Neven in der Startelf in einem Bundesligaspiel. Auch das hat mich riesig gefreut und mir ein Lächeln auf’s Gesicht gezaubert – und mir Tuchel noch ein wenig sympathischer gemacht. Er findet für jeden Spieler Einsatzzeiten, bindet Pulisic (und Passlack) ein, sogar Leitner ist wieder zurück in der Mannschaft. Es gibt kaum Verletzte, es läuft – auch wenn es im Moment nicht brilliert. Was will man mehr?

Subotic_8_13.02.16_BVBH96_RN-Bernd Thissen-dpa© RN/Bernd Thissen/dpa

Das macht man nicht, Herr Löw.

Heute habe ich mich etwas aufgeregt und weil ich keine Lust habe, meine Aufregung und meine Kritik an Joachim Löws Kritik an Kevin Großkreutz in x-mal 140 Zeichen auf Twitter zu verpacken, gibt es die jetzt hier. Auch wenn Großkreutz jetzt schon ein paar Monate lang kein Schwarzgelber mehr ist.

Es gibt da zwei Punkte, die mich aufregen und ich kann nicht genau sagen, welcher davon mehr und welcher weniger. Zum einen kann ich Löw in seiner Kritik schon inhaltlich nicht ganz folgen, zum anderen finde ich die Art und Weise, in der er seine Kritik (wenn man das denn überhaupt noch so nennen kann) äußert, absolut daneben. Auch wenn Kevin Großkreutz ganz sicher kein Heiliger und ich grundsätzlich auch überhaupt nicht so ein großer Fan von ihm bin: Löw hat es mal wieder geschafft, dass ich mich tierisch über ihn aufregen könnte.

Auf die Frage, ob auch Kevin Großkreutz noch eine Chance auf die EM-Teilnahme habe, antwortete der Bundestrainer sehr direkt: „Nein! Er war ein halbes Jahr raus.“ (Die Welt, http://www.welt.de/sport/fussball/em-2016/article151179872/Joachim-Loew-rechnet-mit-Kevin-Grosskreutz-ab.html)

So weit, so gut. Das hätte ich mir ja noch gefallen lassen, denn es stimmt ja: Weil Galatasaray zu dämlich war (entschuldigt bitte) und beim Transfer von Großkreutz irgendetwas verklüngelt hatten, war der die letzten Monate nicht spielberechtigt und war damit völlig aus dem Spielrhythmus raus. Wobei die Chance recht groß sein dürfte, dass sich das mit seinem Wechsel zum VfB Stuttgart ändert und er ab jetzt wieder regelmäßiger spielt. Aber das nur am Rande.

Der springende Punkt ist, dass es Löw nicht einfach dabei belassen hat zu sagen, Großkreutz fehlt die Spielpraxis und deswegen sehe er aktuell keine Chancen für ihn. Nein, Löw wird persönlich und redet über Dinge, die ihm, gelinde gesagt, nicht zustehen.

„Ich war in Istanbul beim Trainer von Galatasaray, der mir gesagt hat, dass Kevin fast jedes Wochenende Freitag bis Sonntag nach Hause geflogen ist“, sagte Löw und wurde dann deutlich: „Das macht man nicht, wenn man Teil einer Mannschaft ist.“ […] Löws Urteil: „Ich habe nur begrenzt Verständnis dafür, wie er mit seiner Karriere umgegangen ist.“ (Die Welt, http://www.welt.de/sport/fussball/em-2016/article151179872/Joachim-Loew-rechnet-mit-Kevin-Grosskreutz-ab.html)

Herrje. Ich gehe davon aus, ohne nähere Kenntnisse der türkischen Liga zu haben, dass dort ebenfalls am Wochenende die Spiele ausgetragen werden und ein nicht-spielberechtiger Spieler (nochmal: Fehler des Vereins, nicht von Kevin Großkreutz) also absolut nichts verpasst, wenn er die Stadt und das Land am Wochenende verlässt. Man kann natürlich argumentieren, dass er dableiben, in’s Stadion gehen und die Mannschaft unterstützen solle. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass das eine, mit Verlaub, beschissene Situation ist, in der man dann nicht unbedingt jedes Wochenende seine Mitspieler auf dem Platz sehen will, wenn man selbst auch nichts lieber machen würde als das. Verletzte Spieler sitzen auch nicht jedes Wochenende auf der Tribüne, aber von jemandem, den einzig und allein eine dämliche Schusseligkeit des Vereins davon abhält, auf dem Feld mitmischen zu dürfen, soll man das dann erwarten?

Noch dazu, wenn dieser jemand ganz offenbar auch großes Heimweh nach seiner Familie und seinem vertrauten Umfeld hat. Da kann man sich drüber lustig machen, das dürfte es für den Betroffenen aber ganz und gar nicht sein. Und wenn du dann in der neuen Heimat, wo du im Grunde niemanden kennst, am Wochenende nichts weiter tun kannst als Däumchen zu drehen, dann kann ich gut verstehen, dass man da regelmäßig nach Hause fliegt.

Nächster Punkt: Wenn es jemanden geben dürfte, dem das missfällt, ist das dann nicht eher der Trainer von Galatasaray als der deutsche Nationaltrainer? Müsste der nicht eher ein Machtwort sprechen und sagen, „Kevin, du bleibst am Wochenende bitte hier und gehst in’s Stadion, auch wenn du nicht mitspielen kannst“, wenn es ihn stört, dass einer seiner Spieler regelmäßig Besuche in der Heimat macht? Wie man damit seine Karriere gefährdet oder wegwirft, ist mir darüber hinaus absolut schleierhaft. Ich bin mir sehr sicher, dass Großkreutz auch von Dortmund aus verfolgt haben wird, wie seine Mannschaft sich schlägt. Er hat am Training unter der Woche teilgenommen, dass er es in den Spielen nicht tun konnte, ist, ich sage es noch einmal, nicht seine Schuld gewesen! Der Gelackmeierte bei diesem verkorksten Transfer ist/war doch Kevin Großkreutz!

Nun gut. Joachim Löw missfällt das. Meinetwegen. Klar ist ja auch, dass er da nicht seinen größten Star absägt, sondern einen Spieler, der es erst spät überhaupt in die Nationalmannschaft geschafft hat und dann aber auch eher deswegen zur WM mitkommen durfte, um den Kader voll zu bekommen, als weil Löw wirklich auf ihn gesetzt hat.

Damit kommen wir aber zum zweiten Teil meiner Kritik: Der öffentlichen Bloß- und Zurschau-Stellung eines Spielers durch den Nationaltrainer. Diese „Entgleisung“ Löws ist ja nun bei weitem nicht die erste.  Ich erinnere da nur mal ganz vorsichtig an seine öffentliche Kritik an Mats Hummels nach der EM, an die Kritik an Marcel Schmelzer und den Spruch, er könne sich ja nun mal keine Außenverteidiger schnitzen, an die Kritik an Matthias Ginter und Jonas Hector, die in ihren Vereinen nicht offensiv genug verteidigen lernten (da weiß ich wirklich noch immer nicht, ob ich lachen oder schreien möchte). Nein, es ist nicht das erste Mal, dass er Spieler in der Öffentlichkeit kritisiert oder Dinge ausspricht, die besser (nur) intern geklärt worden wären. Aber es ist doch interessant, dass es dabei immer nur bestimmte Spieler bzw. Spieler bestimmter Vereine trifft.

Für mich offenbart Joachim Löw damit einmal mehr, dass er keine Führungsqualitäten hat, keinen Anstand und keine Empathie kennt oder bewusst missachtet. Was er mit Bemerkungen wie diesen über Großkreutz erreicht, ist, öffentlich zu demonstrieren, welche Macht er hat. Das ist nichts, was einem Bundestrainer (oder sonstwem) zur Ehre gereicht. Das ist zum wiederholten Male ein Fall von „das geht gar nicht“. Auf der anderen Seite wird dann immer groß in die Welt posaunt, dass er ja streng nach Leistung aufstellt. Wem will er das eigentlich noch weismachen? Wenn Großkreutz ab dem nächsten Wochenende jedes Pflichtspiel der Rückrunde bestreiten und dem VfB nachhaltig weiterhelfen und ihn mit vor dem Abstieg bewahren sollte, wird er nicht mit zur EM fahren, denn er ist ja in einer Zeit, in der er für Gala nicht spielberechtigt war, jedes Wochenende mit seiner Familie verbracht. Ja, die Logik dahinter erklärt sich wohl nur Joachim Löw.

Weder ein Kevin Großkreutz noch ein Marcel Schmelzer werden es unter Löw noch einmal in die Nationalmannschaft schaffen. Die Frage bleibt, ob das (für sie) bei diesem Trainer überhaupt noch so erstrebenswert ist.

Nicht mehr nur schwarz-gelb.

Lange hatte ich überhaupt nichts mit Fußball am Hut. Dann entwickelte sich langsam ein stetig größer werdendes Interesse am BVB, das irgendwann in „echtes“ Fan-Sein mündete und noch später auch in diesen Blog. Fußball? Da bin ich schwarz-gelb. Das war ganz klar, auch wenn ich für einige andere Vereine doch immerhin auch Sympathien hegte.

Wie schnell aus Sympathien aber dann auch Fan-Sein werden kann, habe ich in den letzten paar Monaten bemerkt. Zugegeben: Ich habe mich, aufgrund oder dank meines Praktikums, im Grunde acht Stunden pro Tag und mehr mit einem Verein beschäftigt, der nicht der BVB ist und zu dem ich im Grunde vor Praktikumsbeginn nur über bruchstückhafte Informationen verfügte. Aber wie schnell dieser Verein wirklich wichtig geworden ist für mich, hat mich dann doch auch selbst ein wenig überrascht. Wie sehr ich erleichtert war, wie froh es mich gemacht hat, als nach langer Durststrecke zuhause wieder Tore und Siege gelangen. Wie sehr es mich gefreut hat, dass man auf einem wirklich guten Platz und sogar einem kleinen Polsterchen überwintern konnte. Ja doch, das war überraschend.

Nun denn: Weiterhin wird es auf diesem Blog nur um den BVB gehen. Aber dass es hier in letzter Zeit so wenig von mir zu hören gab, hat sicherlich auch mit dem neu-entdeckten Fan-Sein zu tun. Immerhin handelt es sich nicht um direkte Wettbewerbs-Konkurrenten, auch wenn ich schon den einen oder anderen davon habe sprechen hören, dass es sich dabei eigentlich auch um ein Derby handele. Ich für mich kann das sehr gut vereinbaren, Fan von zwei Vereinen zu sein. Fan dieser zwei Vereine zu sein.

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PS: Wie gesagt, keine Sorge: Es wird jetzt hier nicht auch um Arminia gehen – da habe ich doch auch einen leicht anderen Blickwinkel auf die Dinge als beim BVB. Aber ich musste das jetzt doch mal hier loswerden.

Handle with care.

Ich habe ja schon so ein paar Macken. Eine davon ist, dass ich Dinge/Gegenstände, von denen ich befürchte/weiß, dass sie sich bei Gebrauch schnell abnutzen oder kaputt gehen könnten, oder auch Lebensmittel, die ich gerne esse, zwar kaufe, aber dann ewig lange aufspare, nicht benutze, damit sie eben nicht kaputt gehen können oder schnell aufgebraucht sind. Ich warte dann quasi auf den besonderen Moment, die spezielle Gelegenheit, wo es sich dann wirklich lohnt, etwas zu benutzen.

Das kam mir in den Kopf, als ich am Sonntag las, dass sich Marco Reus wohl wieder verletzt hat. Dass ich ihm schon länger am liebsten ein Nationalmannschafts-Verbot erteilt hätte, weil er einfach so oft verletzt von dort zurückgekommen ist, wissen zumindest meine Twitter-Follower schon. Jetzt ist es schon wieder passiert, beim Verein dieses Mal. Den Jungen muss man wirklich in Watte packen, scheint mir. Nur: Ihn gar nicht mehr spielen zu lassen, damit er sich auch ja nicht verletzen kann, scheint hier jetzt auch nicht die optimale Lösung zu sein.

Reus_67_05.12.15_Wolfsburg© Borussia Dortmund

Vom Verlust für die Mannschaft mal abgesehen, tut es mir auch für ihn selbst so furchtbar Leid, dass er dauernd wieder ausfällt. Wie frustrierend muss das sein? Und anders als bei den Bayern und Guardiola traue ich Tuchel durchaus zu, dass er da einen sehr genauen Überblick hat, niemanden überbelastet, geschweige denn einsetzt, wenn er nicht zu einhundert Prozent fit ist.

Interessant in dem Zusammenhang ist ja, dass seine tatsächliche Ausfallquote gar nicht so hoch ist, wie man vielleicht vermuten würde. Der „Kicker“ hat diesbezüglich in seiner heutigen Ausgabe eine interessante Übersicht drin gehabt. Seit er beim BVB ist, hat er „nur“ etwa 20 Prozent der Spiele verletzungsbedingt verpasst. So rein aus dem Bauch heraus, hätte ich da eine deutlich höhere Zahl genannt. Auch in dieser Saison hat er von 29 Spielen 21 gemacht, also nur in 8 Partien gefehlt. Was die Statistik absolut einreißt, ist die Saison 2014/15, in der er nur in knapp 60 Prozent aller Partien eingesetzt wurde. Ein Außenbandanriss, der ihn 5 Liga- und 2 Champions League-Gruppenspiele gekostet hat, dann der Außenbandriss nach dem Foul von Bakalorz. Da war er ebenfalls 7 Spiele raus. Mit Adduktorenbeschwerden bzw. den ominösen muskulären Problemen gingen noch einmal 5 Spiele flöten. Und den Supercup verpasste er wegen des Syndesmosebandanrisses. In seinen ersten beiden Spielzeiten in Dortmund hat er immer mehr als drei Viertel aller Pflichtspiele bestritten (94 Prozent 2012/13, 86 Prozent 2013/14).

https://twitter.com/AlexChaffer/status/677413018930663424

Und nun? Eine Lösung habe ich nicht, ich bin ja kein Mediziner. Laut Kicker bzw. BVB soll er in der Winterpause neu aufgebaut werden. Andererseits war er laut Tuchel ja körperlich in einer sehr guten Verfassung. Watzke wird im Kicker zitiert, er führe das erhöhte Auftreten von Verletzungen bei Offensivspielern u.a. auf deren höheres Tempo im Vergleich mit Defensivspielern zurück (das ist jetzt aus dem Kopf zitiert). Das will ich ganz sicher nicht ausschließen. Interessant finde ich aber, vor allem in dem Zusammenhang, dass Aubameyang scheinbar ziemlich unkaputtbar ist. Von den 129 Spielen, seit er beim BVB ist, musste er nur in 9 Spielen verletzt aussetzen, das heißt, er hat 93 Prozent aller Spiele bestritten. Das, würde ich jetzt mal denken, dürfte ein ziemlich guter Wert sein. Bei Mkhitaryan sind es 92 Prozent.

Nach den letzten Meldungen dürfte es ja dieses Mal wohl doch nicht allzu schlimm sein bei Reus. Ich wünsche ihm einfach gute Besserung und dass vor allem auch das Problem mit den Adduktoren, was ja ein wiederkehrendes Thema ist, einfach mal längerfristig in Ordnung gebracht werden kann.